Es klingen die Gläser zusammen, eine weihevolle Stimmung erfaßt die
Gemüter. Es ist ja auch zum erstenmale in seinem Leben, daß Peter in ein
Hoch auf den Landesherrn einstimmt. Und wie getrunken ist auf die
Gesundheit des Fürsten, meint Peter, nach seinem Pfifli langend: „Wos
weisch denn du, Biber, von mine Akte?“

„Gell, da guckt Er! Weisch, s' Thrinele isch gar gesprächig, hihihi! Aber sell Akte gfalle mer, hesch Recht by Gott, Peter! Allewil guet badisch und Ordnung muß si!“

Ein wundersam Plaudern ist's auf der „Chauscht“ im „dürren Ast“, so wohlig und behaglich, so lebensfroh und hoffnungsfreudig. Die Alten hocken tapfer beisammen, weniger seßhaft sind freilich die Jungen, und Michel findet immer eine andere Ausrede, um mit 'm Thrinele zu verschwinden und 'm Maidli draußen Kuß um Kuß zu rauben. Haben die Alten die Politik erörtert des Langen hin und her, wobei Biber es billigt, daß Peter mit dem Großherzog selber über die Lage reden will, so zieht Bibers Muetti dann die Zukunft der Jungen ins Gespräch, weil darüber ja doch auch etzliche Wörtlein gesprochen werden müssen. Peter fühlt sich da freilich etwas befangen, und seine Prozeßwutsünden fallen ihm schwer aufs Gewissen; aber ehrlich sagt er es rund heraus, daß durch seine frühere Streitlust und die fanatisch betriebene Salpeterei Kuh um Kuh aus dem Stalle zum Advokaten ging und fürs Thrinele jetzt kein Kuhschwanz mehr im Hause sei. Die Neigung habe er freilich aktenmäßig protokolliert und in Gnaden genehmigt, aber mit einer Mitgift hapert es gewaltig, wenigstens für die nächste Zeit. In Zukunft wolle er sich statt um Parteihader und Advokatenkniffe mehr um Kartoffeln und Wiese und Feld kümmern; vielleicht geht es dann wieder auswärts mit der Wirtschaft.

Solche guten Vorsätze lobt der alte Biber tüchtig und erklärt, daß
Thrinele auch ohne Mitgift einziehen könne ins Biberhaus, wasmaßen die
Sinnesänderung Peterles auch was wert sei. Auch Muetti stimmt bei, weil
ihr die Hauptsache ist, die Kinder glücklich vereint zu sehen.

Bei Petern aber regt sich doch noch etwas, was dem alten Trotz, der Streitlust ähnlich sieht: er will die Geschichte nicht überstürzt sehen; von Hochzeit könne erst geredet werden, wenn er mit 'm Großherzog ins Reine gekommen ist. Bedingungslos wolle er sich nicht unterwerfen und huldigen. Den Jobbeli muß der Herzog 'rausgeben und die alten Salpeterersünden verzeihen. Thut's der Fürst nicht, so wird aus der ganzen Geschichte nichts und die Anerkennung wird dem Großherzog aktenmäßig verweigert. Davon läßt sich der alte Starrkopf nicht abbringen, so viel sich Muetti auch bemüht. Ätti meint indes, der Großherzog werde schon einwilligen, so ihm die Lage richtig geschildert werde, denn darauf komme es hauptsächlich an. Und morgen braucht ja nicht schon nach Karlsruhe gewandert zu werden; es wird besser sein, wenn sich der gute Wille inzwischen bei manchen Leuten noch weiter verbreitet. Ist dann der Winter 'rum und besteht die gute Absicht noch, dann solle Peter die Bekehrten zum Großherzog führen, ihm huldigen und ihn hübsch um Verzeihung bitten. Dann werde alles gut werden!

So ward es abgeredet im „dürren Ast“, und widerspruchslos erklärte sich Peter einverstanden. Den Großherzog wird es auch nicht umbringen, wenn er auf die Huldigung der Bühler Salpeterer noch etliche Wochen warten muß, meint Peter.

Biber lacht, daß die Scheiben klirren, und hält sich die Seiten. Muetti will dann noch Thrineles Küche besichtigen, worauf der Heimgang angetreten werden soll. Peter holt zum Abschiedstrunk eine Kanne alten Durbacher aus dem Keller; heut läßt er sich nicht lumpen. Und wahr ist's: So wohlig war ihm noch nie ums Herz.

Schon zieht die Dämmerung über den Bühl, da treten Bibers nach herzlicher Verabschiedung den Rückweg an. So lange man sich sehen kann, winkt Thrinele fleißig ihre Grüße nach, und auch Gottstein-Ätti entbietet vorm Hause stehend seinen Abschiedsgruß. Und vor dem Schlafengehen kritzelt er zum Gedenken in seine Akten den Besuch und die Absprache mit Bibers ein, der Ordnung halber, und der Passus: „Der Großherzog hat auf die Huldigung noch etzliche Zeit zu warten“ wird zweimal dick unterstrichen. Außerdem rutschte dem Peter ein mächtiger Klecks aus dem Gänsekiel, so daß es aussah, als habe der Skribent ein Trauersiegel darunter gesetzt.

* * * * *

Auf dem Wald hat der Schnee allmählich doch dem Drängen des Frühlings weichen müssen; Föhn und warmer Regen haben des Winters Macht gebrochen, schwarz steht der Tann, dunkel die Wiesen, auf denen die ersten Anemonen und Schlüsselblümelein vorwitzig und neugierig die Köpfchen in die Welt stecken und zartes Gras zu sprießen beginnt. Nur in den tiefen, wilden Schluchten liegt noch Schnee. Goldiger Sonnenschein lacht über Berg und Thal, und würziger Odem streicht über die Bühlhöhen: Frühlingshauch erquickend und labend.