[9] Am 18. Mai 1728 erhob sich unter Führung Thoma's im Rücken der Truppen des Oberst Baron Thüngen ein allgemeiner Landsturm, der jedoch rasch erstickt wurde, als scharf geschossen und verschiedene Aufrührer getötet wurden. Außerdem wurde ein Teil der Truppen ständig in die Walddörfer gelegt und die Huldigung zwangsweise vorgenommen. Die Salpeterer verlegten sich hierauf auf einen zähen schriftlichen Streit, der mit der Ablösung der Rechte St. Blasiens endete, gegen welche Ablösung wieder ein Teil der verbissensten Salpeterer protestierte. Das Urteil gegen die Rebellen aus den Maitagen wurde 1730 zu Waldshut, wohin die Salpeterer gelockt wurden, vollzogen: Thoma in Dogern an den Pranger gestellt, auf Lebenszeit in die Festung Belgrad verbannt, und sein Name schandenhalber in Stein eingegraben. Andere kamen nach Ungarn und Siebenbürgen, auch nach Breisach und wurden eingekerkert. Mit Beginn des Türkenkrieges entließ man die Verbannten, die nach ihrer Heimkehr sofort auf's neue randalierten und den zweiten Salpetererkrieg heraufbeschworen.

[10] Die Hauensteiner pflegten um jene Zeit technisch festzustellen, welcher Art die Körperbeschädigung ist, und nach diesem Befund wurde die Entschädigung bestimmt. Nach Zahlung des „Wehrgeldes“ war die Sache abgethan oder, wie der technische Ausdruck auf dem Wald heißt, „abgeschafft“. Scheffel schreibt diesbezüglich in seinen „Reisebildern“: „Wenn die Hauensteiner wegen Störung des öffentlichen Friedens (nach einer solennen Keilerei) noch vor's Amt zittert wurden, so brachten sie gewöhnlich das Dokument über die Abschaffung durch die Familienhäupter mit und wunderten sich höchlich, wenn sie hie und da noch ‚im öffentlichen Interesse‘ auf einige Wochen ins Gefängnis wandern mußten.“

[11] Österreichische Truppen wurden in Basel konzentriert. Dieser Umstand ließ die Salpetererfackel aufs neue auflodern. Riedmatter war thatsächlich in Basel, erzielte aber natürlich für seine Sache bei den österreichischen Truppenführern, die in Kriegsbereitschaft standen und andere Gedanken im Kopf hatten, nicht das Mindeste; dennoch versicherte Riedmatter daheim, wesentlich Resultate erzielt zu haben, und hetzte die Bevölkerung zu offenem Widerstand gegen badische Verfügungen auf.

[12] Diese handgreifliche Lüge brachte Riedmatter in den Wald und entfachte dadurch den wilden Schnapskrieg.

[13] Kreuzvogel, Kreuzschnabel (Loxia curvirostra) wird als Stubenvogel gehalten in dem Glauben, daß er vom Hause Blitz, Krankheit und Tod abhält, so der Vogel ein „rechter“ ist, d.h. ein solcher, dessen Oberschnabel nach rechts gerichtet ist. „Über den Kreuzvogel geht kein Tier, der ist über Schwalben und Störche.“

[14] Aktenmäßig festgestellt.

[15] Auch Riedmatter wurde in Freiheit gesetzt und sank alsbald, da seine Unfähigkeit zur Führerschaft selbst dem dümmsten Salpeterer bald einleuchtete, in völlige Vergessenheit. Die Sekte machte sich alsdann in den fünfziger Jahren nach der religiösen Seite hin wieder bemerkbar. Heutzutage sind wohl die wenigen Sonderlinge im Aussterben.

Giftklärle

Aus dem Flur des schwarzgrau verwitterten Hauses, das in einer von dunklen Tannen umrahmten Thalbuchtung unweit des malerischen Dörfleins Lauterbach an der Straße von Schramberg über den Fohrenbühl nach Hornberg liegt, gellen zornige Rufe, und gleich darauf erscheint auch im Rahmen der weitgeöffneten Hausthüre die Person, die durch Scheltworte ihrem Ärger Luft macht. Es ist Klärle, die prächtig gewachsene schwarzhaarige Tochter des Giftbauern und künftige Erbin des Gehöftes, das einst ein Vergabungshof (Lehen) war, eine Begiftung.[16] In der äußeren Erscheinung ist Klärle unstreitig ein allerliebstes, herrlich gebautes Schwarzwaldkind von zwanzig Jahren, ein Mädel zum Dreinbeißen, aber immer ärgerlich, kurz angebunden gegen jedermann, nie zufrieden und tyrannisch gegen den alten Vater wie gegen das Bäschen Bärbel, das die selige Mutter einst aus Mitleid und Barmherzigkeit in den Gifthof aufgenommen und mit Klärle aufwachsen ließ. Kann es der alte Vater dem Klärle nie recht machen, Bärbel in ihrer Abhängigkeit schon gar nicht, und bei jeder Gelegenheit kann die etwa achtzehnjährige Waise es hören, daß sie nur geduldet sei auf dem Hof aus Gnad' und Barmherzigkeit, die aber auch einmal ein Ende nehmen kann und muß, wenn 's Bärbele sich nicht bessert und alles verkehrt angreift. Wieviele Seufzer aus Bärbels junger Brust gestiegen, weiß nur der liebe Gott im Himmel. Wenn Bärbel gelegentlich verweint mit geröteten Äuglein ihre Arbeit verrichtete und der würdige Pfarrer von Lauterbach just bedächtig des Weges kam, da fragte Hochwürden wohl nach der Ursache der Thränen, verstummte aber sofort, wenn die Scheltworte Klärles an sein Ohr drangen. Wie's im Gifthof zugeht, war nicht schwer zu erraten, und der Pfarrer tröstete die arme Waise durch milde Worte und den Hinweis auf späteren Himmelslohn. Der geistliche Herr hat es wohl einmal versucht, der Giftklärle ins Gewissen zu reden und ihr Herz zu rühren, aber erzielt hat er nichts und mußte sich schnippisch genug abkanzeln lassen. Daher ist der gute Pfarrer der Meinung, daß Klärle wohl ein Herz von Stein habe, ähnlich wie der Kohlenmunkpeter, dem der Holländermichel am Tannenbühl das warme Herz genommen und ihm ein steinern Herz in die Brust gegeben hat. Und so betet der geistliche Herr wohl des öfteren, es möge Gott selbst eingreifen und Klärles harten Sinn bessern.

Unter der Thür stehend, ruft Klärle hinüber in den kleinen Garten, wo die Waise beschäftigt ist, etwas Gemüse abzuschneiden. „He, Bärbel! Wie lang soll es noch dauern? Bleibst wohl über Nacht draußen im Kraut? Eil' dich, es isch e Schand! Drinen in der Küch' geh'n die Töpfe über, aufgeräumt isch au nit ordentlich! Eine Schand' isch's mit der langweiligen Person! Eil' dich, Fauldirn!“