„Du darfst nicht vergessen, Märte, daß sie alleweil die Herrin ist und ich nur geduldet bin auf dem Hof! In mir sieht sie nichts als eine dienende, aus Gnad' und Barmherzigkeit aufgenommene Person, was ich ihr schließlich nicht einmal verübeln kann.“
„Na, just dreinschlagen braucht sie auch nicht! Mich hat es elend gejuckt, als ich den Hieb um die Ohren spürte —“
„Nimm ihr's nicht übel, Märte! Wer weiß, ob es Klärle hinterher nicht selber leid ist. Und besonders männlich und tapfer war's auch nicht gewesen, wenn du ihr den Schlag zurückgegeben hättest, mein' ich!“
„Zurückgeschlagen hätt' ich nie! Es hat mich nur gejuckt in den Fäusten!
Nein, nein! Ich, und Klärle schlagen, sie, die ich am liebsten auf den
Händen tragen möcht'!“
„Wie sagst, Märte?“
„Ich mein' nur bloß! Weißt, die Klärle ist ja so viel schön!“
Bärbel preßt die Lippen aufeinander und wird blaß.
In den lauen Abend blickend bemerkt Martin davon nichts und spricht mehr für sich leise vor sich hin: „Ja, ein wundersam Mädel ist die Klärle! Freilich viel zu noblicht für unsereinen, aber anschmachten darf einer sie doch! Und ihr zu lieb' geh' ich trotz Brauch und Recht morgen nicht auf den Schellenmarkt, so gern ich mein zweites Geläut ergänzen möchte! Weißt, Bärbel, mir fehlt zum zweiten Geläut noch eine Glocke! Hab' ich die dazu paffende im Ton, dann kommt meinen Schellen keines gleich im ganzen Schwarzwald! Aber es wird schwer halten, denn ich hab' keine Tauschschelle und zum Kaufen kein Geld. Vom Bauern kann ich nichts fordern, und bis Weihnachten ist noch lang hin.“
Bärbel hat sich jäh erhoben, und verwundert fragt Martin: „Wohin laufst denn? Willst schon zur Ruh'?“
„Wart' einen Augenblick, Märte! Ich komm' gleich wieder zurück!“