„Nein! Ich will dich nicht mehr sehen! Du bist unverbesserlich! Fort!“

Gebieterisch streckt Liese den Arm aus und deutet auf den Pfad hinaus. Klärle schluchzt, dann überkommt sie der alte Trotz, ein harter Zug erscheint auf ihren zusammengekniffenen Lippen; die Augen funkeln, die Hände ballen sich zu Fäusten. Festen Schrittes, ohne Abschiedswort, geht das Mädchen von dannen.

Mitten im Tann aber überkommt das einsame Mädel das Gefühl grenzenloser Verlassenheit mit überwältigender Macht. Verloren ist selbst die karge Zufluchtsstätte im Walde; das bettelarme Weib sogar hat ihr die Thür gewiesen. „Also bin ich Schlechter noch als ein Bettelweib!“ flüstert Klärle. Und wie das Mädchen aufschaut, fällt Klärles Blick auf ein Kreuz im Walde, angeheftet an eine mächtige Fichte. Aufschluchzend wirft sich Klärle in die Knie, läßt den Thränen freien Lauf und faltet die Hände zu inbrünstigem Gebet. Versunken im heißen Flehen um Erlösung aus schwerer Herzenspein hört das Mädchen nicht das schwache Geräusch nahender Schritte. Der Pfarrer von Lauterbach ist es, der sich im Walde ergeht und beim Anblick der betenden Klärle innehält, verwundert und erfreut. Inbrünstig betet das Mädchen: „Habe Mitleid mit mir Armen, o Gott! Gieb mir den Frieden ins Herz und Erlösung!“

Da hebt salbungsvoll und mild der Geistliche zu sprechen an: „Der Friede soll dir werden, Kind!“

Erschrocken erhebt sich Klärle und blickt sich um. Jähe Röte schießt ihr in die Wangen.

„Beruhige dich, Klärle! Von mir hast du nichts zu befürchten!“

„Das sagen Sie, Herr Pfarrer, Sie, der —“

„Was soll's —?“

„Sie wollen mir den Frieden verheißen, Sie, der mich am Pfingsttag vor der ganzen Gemeinde öffentlich in der Kirche abgekanzelt hat!“

„Mit nichten, mein Kind! Das bildest du dir nur ein!“