Bärbel stößt ein wahres Jammergeheul aus und gebärdet sich ganz
verzweifelt, indes die Dirn wie Flugfeuer wegspringt, um Hilfe zu holen.
Von den Hofleuten eilt herbei, wer in der Nähe war, und in scheuer
Entfernung guckt das Gesinde auf die verwandelte Tochter des Hauses.

Verwundert steht Klärle inmitten der geräumigen Küche und beguckt ihrerseits die kreischende Bärbel, welche abwehrend die Hände vor sich hält, als Klärle auf das Mädel zugeht, um es zu beruhigen. Bärbel retiriert um den Herd herum zu den Knechten, dort Schutz suchend.

Klärle ruft: „Aber Bärbel! Bist närrisch geworden?“

„Ich nicht, aber bei dir ist's nimmer richtig!“ tönt es zurück.

Jetzt begreift Klärle, und silberhelles Lachen klingt durch den Raum. Die Leutchen halten Klärle ob ihrer Milde und Güte für verrückt geworden.

Klärle wird rasch wieder ernst; das Verhalten Bärbels giebt zu denken.
„Geht an die Arbeit, Leute!“ befiehlt die Tochter.

Das wirkt augenblicklich. „Sie ist doch noch die Alte!“ flüstern die Dirnen und huschen hinweg, und auch die Knechte trotten davon, fest überzeugt, daß Klärle der Bärbel bloß einen Possen spielen wollte.

* * * * *

Im Gifthofe geht alles wieder seinen gewohnten Gang. Neu für Bärbel und den Vater ist nur, daß Klärle oft stundenlang beim Nähzeug sitzt und Schäden an Kleidern repariert oder strickt und sonstige Handarbeiten verrichtet. Der Vater hat die Frage, wie denn solche Verwandlung gekommen, immer auf der Zunge, aber stets schluckt er die Frage wieder unausgesprochen hinab. Klärle will nicht darüber reden, drum wird es besser sein, wenn sich alles von selber weiter entwickelt. Nur meint der Vater, von dem vielen Sitzen könnte Klärle krank werden, weil sie es nicht gewohnt sei. Doch Klärle verneint das lächelnd mit dem Hinweis, daß sie sich an derartige Arbeiten gewöhnen wolle und Näherinnen ja doch das Gleiche thun müßten, ohne zu Grunde zu gehen.

„Hm! Aber die Näherin muß es thun! Du hast aber solche Arbeit nicht nötig!“