Sprachlos vor Überraschung blickt der Alte hernieder auf sein verwandeltes Kind. Dann zuckt es in seinem Gesicht, wie Wetterleuchten huscht es über die runzligen Wangen, die Augen werden feucht, die welken Lippen beben.
„Wach' ich, oder träum' ich!“ flüstert der Alte.
„Du wachst, Vater! Ich bin wieder da! Verzeih' mir!“ bittet Klärle und küßt abermals die Hand des Vaters.
„O Gott, ich danke dir! Du hast mir mein Kind wieder gegeben, gut und lieb! Sei willkommen daheim, Klärle! Ich bin glücklich!“ Mit beiden Händen zieht der Vater sein Kind an die Brust und küßt das Mädchen herzhaft ab. Dann möchte der Gifter aber Näheres wissen; wo Klärle war, was ihr Herz gebessert habe und eine Menge Fragen mehr.
Klärle schüttelt den Kopf und bettelt: „Nicht fragen, Vater! Noch bin ich nicht fertig mit mir! Bitte, laß allein mich zurechtfinden!“
„Wie du willst! Gott lenkt sichtlich dein Herz und es wird alles wieder gut werden!“
Klärle's erster Gang vom Vater weg, gilt der Küche, wo Bärbel mit der Spülarbeit beschäftigt ist. „Grüß Gott, Bärbel!“ ruft vergnügt, schier zärtlich Klärle.
Ein Schrei, ein Gepolter, Scherbengeklirr giebt Antwort auf solche Überraschung. Bärbel steht wie versteinert und starrt Klärle an, als sei es ihr Geist, der am helllichten Tag erschienen.
Die Küchendirn hält Mund und Auge offen und erwartet des Himmels
Einsturz.
Ohne über die zerbrochene Schüssel ein Wort zu verlieren, reicht Klärle der maßlos überraschten Bärbel die Hand, faßt die naßen Finger ungescheut und spricht: „Grüß Gott, nochmal, Bärbel! Ich bin wieder da, und nun wollen wir treue Freundschaft halten!“