„Was hat der Pfarrer vor mit mir?“
„Das hat er mir nicht auf die Nase gebunden. Doch werden wir es ja hören, was es giebt. Wenn du indes gehen willst, ist's dir unbenommen. Der Pfarrer hält übrigens große Stücke auf dich und ist fest überzeugt, daß du dich zum Frieden durchringen wirst.“
Klärle erglüht wie eine Pfingstrose und neigt den Kopf tief zur
Näharbeit herab.
Im selben Augenblick pocht es an der Stubenthür und ein etwa siebenjähriger Knirps schiebt seine kleine Gestalt herein, in der rechten Hand krampfhaft ein in Papier gehülltes Fläschchen tragend. Zaghaft geht der Knirps auf das Mädchen zu und fragt. „Bist du die Klärle?“
„Ja, Kleiner, was willst oder bringst?“
„Da, das da hat mir die Kräuterliese für dich übergeben. Du darfst es aber erst aufmachen, wenn ich hinter der Thür bin!“
„So, Vorschriften auch noch! Wart' einen Augenblick, ich will dir etwas aus der Küche zum Botenlohn geben!“
„Nein, nein, ich brauch' nichts!“ zetert angstvoll der Kleine und springt davon, als sei der Teufel hinterdrein.
Der Gifter lacht aus vollem Halse; Klärle begiebt sich wieder an den Nähtisch und löst das Fläschchen aus der Umhüllung. Ein Wutschrei entfährt ihrem Mund, sie stampft mit dem Fuße, ballt die Faust und zischt: „Schändlich! Soll ich mich auch noch von Bettelweibern verhöhnen lassen! Ich hätte nicht übel Lust das Zeug zum Fenster hinauszuwerfen!“
„Dann öffne aber vorher, es war' schad' um die ganzen Scheiben!“ meint trocken der Vater im Lehnstuhl und fragt dann, was denn los sei.