„Ach was! Eine Bosheit der Kräuterliese, die mir ein „Gegengift gegen die Giftklärle“ schickt, eine „Medizin zur Läuterung der Seele“. So steht es wenigstens auf dem Fläschchen angeschrieben. Zu dumm! Ich werde — nein, nichts werde ich, keinen Tropfen werde ich einnehmen davon! Aber ihr werde ich die Bosheit eintränken!“

„Klärle!“

„Was willst Vater?“

„Ich mein', die Liese will dich mahnen an etwas?“

„An was?“

„Das weiß ich nicht. Du wirst es schon wissen!“

Klärle verstummt, nimmt das Fläschchen zu sich und verläßt die Stube.

* * * * *

Die folgenden Tage wird der „Gegengift“-Sendung mit keinem Worte erwähnt. Mit Spannung harrt der Alte der Dinge, die der Sonntag bringen soll. Und als die Glocken am Tag des Herrn zum Gottesdienst riefen, fragte der Gifter, zum Kirchgang gerietet: „Nun, Klärle, wie ist's? Gehst mit oder thuest dem Pfarrer den Gefallen? Oder bringt dich die Neugier um?“

„Ich bleibe daheim und werde mein Gebet im Kämmerlein verrichten!“ erwidert ruhig Klärle und winkt dem Vater liebevoll zum Abschied mit der Hand.