„Martin, der Hirt, war auch in der Kirche und hat mir Kunde gethan. O, wie bin ich dem geistlichen Herrn dafür dankbar! Aber, Vater, ich hätte eine große Bitte an dich!“

„Red', Klärle! Ich bin ja glücklich, wenn ich dir einen Gefallen erweisen kann!“

„Ja, Vater, du bist so lieb und gut!“

„Schieß' nur los, Klärle! Deine Bitte ist im voraus erfüllt! Was soll ich thun? Willst was vom Krämer in Schramberg oder ein neues Gewand?“

„Nein, nein! Vater! Geh', sei so lieb und bring' den Kaspar vom
Jörgenmichel dazu, daß er —“

Betroffen weicht der Gifter einen Schritt zurück und kratzt sich hinterm
Ohr.

„Willst du nicht, Vater?“

„Hm! Das ist eine heikle Sach', Klärle! Nicht, daß ich nicht zu ihm gehen will, o nein, ich geh' gern für dich! Aber es ist die Frage, was Kaspar sagen wird! Ich fürchte, er fertigt mich kurzer Hand ab und läßt mich stehen!“

Klärle läßt den Kopf hängen und geht trübselig ins Haus. Der Vater humpelt ihr wohl nach und sucht sie zu trösten, doch das Mädchen hört nicht auf sein Reden und schließt sich im Kämmerlein ein. Gifter reibt sich seine Stirne, als wenn er dadurch einen besonders geistreichen Gedanken aus dem Hirnkasten herausbringen möchte. Es ist doch rein wie verhext: Jetzt, wo's Klärle weich ist im Gemüt, zur Versöhnung geneigt, rein nimmer zu kennen vor Sanftmut und Milde, jetzt hapert es dennoch, jetzt soll der beleidigte Teil das erste Wort zum Guten geben! Daß Kaspar bockbeinig bleiben wird, ist ihm gar nicht zu verübeln. Ob aber, wie es eigentlich sein sollte, Klärle noch so mürbe wird im Sinn, daß sie selber die Hand zur Versöhnung bietet und Abbitte leistet, das wagt der Alte trotz der bisherigen Sinnesänderung Klärle's doch nicht zu hoffen. Aber immerhin soll der Versuch gemacht werden. Wie er steht im Feiertagsrock, pilgert der Gifter sofort die Straße in der Richtung zum Fohrenbühl hinan und biegt sodann ab, wo ein Seitenweg zum Jörgenmichelhof führt.

Wenn nicht Rauch aus dem Schlot des Hofes aufstiege, könnte man meinen, es sei keine Katze im Hause, so still ist's hier.