Gifter scheut sich, polternd einzutreten durch die leicht angelehnte
Thür. In solcher Mission ist es nicht angezeigt, großspurig aufzutreten,
darum geht Gifter schier demütig ins Haus und klopft an die nächstbeste
Thür im Flötz.

Keine Antwort. Wird wohl niemand drinnen sein. Vielleicht hockt der Kaspar noch im Wirtshaus zu Lauterbach und schöppelt. Unwillkürlich klinkt aber Gifter doch die Thür auf, und überrascht fährt es ihm aus der Kehle: „Oha!“

Kaspar zuckt erschrocken zusammen und sucht in arger Verlegenheit ein
Fläschchen zu verbergen, indes er stottert: „Je, der Gifter in eigener
Person!“

Der Alte faßt sich und begrüßt den Jungbauer: „Bist ja doch zu Hause,
Kaspar! Mit Verlaub setze ich mich, bin von der Rennerei am heutigen
Vormittag arg müde, und mein Gehwerk taugt nichts mehr!“

„Ja ja! Nimm Platz, Gifter! Darf ich dir mit 'm Gläschen Kirsch aufwarten?“

„Nein nein, ich dank'! Schnaps ist für mich Gift!“

„So?“ lacht Kaspar. „Ich dächte, dem Gifter wird solches Gift nicht schaden. Hast doch Gift genug im Gifthof!“

Betroffen guckt der Alte auf, und sein Auge sucht in Kaspars Miene zu erforschen, wie die Rede gemeint sein könnte.

„Verstehst mich nicht? Macht auch nichts! Ist nicht bös' gemeint!“

„So, um so besser! Hast wohl auch etwas wie Gift in dem Fläschchen, he?“