„Danke, nein! Sie können gehen, lieber Norbert!“

Der Kammerdiener entfernte sich schwer enttäuscht und geärgert.

Martina bereute, Norbert gefragt zu haben; aber eine Gewißheit wollte sie doch darüber haben, ob auch die Gebieterin eine Depesche erhielt. Da dies nicht der Fall ist, kann das an die Hofdame gerichtete Telegramm nur von Baron Wolffsegg stammen, und der Inhalt muß unangenehm sein.

Ein Blick – und Martina stieß einen Schrei des Schreckens aus.

Die befürchteten Folgen des Befehles waren da: der Prinz will Berlin nicht verlassen, Wolffsegg ersucht die Hofdame, der Fürstin die Bitte um sofortige Entlassung zu unterbreiten.

Eine heillose Bescherung. Wie nur mit pflichtschuldiger Rücksicht und Zartheit der Fürstin diese Hiobspost beibringen?

Martina biß die Marderzähnchen aufeinander, nahm die Depesche zur Hand und ging in das Vorzimmer, wo sie Hildegard dienstbereit wartend traf: „Bitte, melden sie mich! Dringliche Dienstangelegenheit!“

Hildegard zögerte und fragte flüsternd, neugierig und zudringlich: „Doch nichts Unangenehmes? So früh am Tage Unangenehmes! Durchlaucht müssen geschont werden, haben eine schlechte Nacht gehabt!“

So leise gesprochen wurde, die Fürstin mußte doch etwas gehört haben. Sie öffnete die Türe. Bleich, übernächtig sah sie aus, brennend die Augen, tiefe Sorgenfalten im Gesicht.

Die Hofdame erblickend, zwang sich die Fürstin zu einem freundlichen Lächeln. „Schon dienstbereit? Bitte, kommen Sie zu mir herein! Hildegard soll warten!“