Der erwartete Wischer erfolgte nicht. Die Kammerfrau Hildegard meldete der heimgekehrten Hofdame in flötendem Tone, daß die Fürstin das Diner abgesagt, sich zurückgezogen und auf jede Dienstleistung seitens des Fräuleins von Gussitsch verzichtet habe.

Somit war Martina ein freier Abend beschieden. Dienstfrei, aber selbstverständlich an das Haus gebunden.

Im stillen Kämmerlein einsam und alleine lesen, schreiben. Und denken... „Viel denken macht Kopfweh!“ Schmerzliche Gefühle stellten sich ein, da Martina nach langem Sinnen erkannte, daß ihr so ziemlich alle Eigenschaften einer Hausfrau fehlen. Eine „schlechte Partie“ würde Hartlieb mit dem Hoffräulein machen. Ganz abgesehen von der betrüblichen Tatsache, daß auch noch die Mitgift fehlte...

Also an der Kette bleiben, besseres Dienstmädel...

Salzige Kügelchen rannen über die Wangen...

Ein klarer kühler Morgen brach an, einen Prachttag kündend.

Des lachenden Sonnenscheins vermochte sich Martina nicht zu freuen, da sie der Folgen des gestern nach Berlin abgegangenen Telegrammes gedachte. Von Stunde zu Stunde bangte Martina einer unangenehmen Antwort und der Berufung der Fürstin entgegen.

Dienstbereit harrte das Hoffräulein auf dem Zimmer.

Gegen elf Uhr brachte Norbert ein Telegramm. Unwillkürlich fragte Martina, ob auch Durchlaucht eine Depesche erhalten habe.

„Bis jetzt noch nicht, gnädiges Fräulein! Ist denn etwas Besonderes los?“