Hartlieb legte seine sonnengebräunte Hand in das ihm von Martina gereichte schmale Händchen.
Und nun kicherte das vergnügt gewordene Hoffräulein: „Den mir aufgebrachten ‚Spitznamen‘ ‚Mustela‘ muß ich mir also gefallen lassen! Ist übrigens nicht ohne, die neue Situation: Mustela fängt den Jäger! Ansonsten ist es doch umgekehrt, nicht?“
Ambros gab Martinas Händchen frei. „Darf ich erfahren, warum gnädiges Fräulein mein Verbleiben wünschen? Sind Sie denn gern im fürstlichen Dienst?“
„Beide Fragen kann ich nicht beantworten, ganz unmöglich! Und nun zum Schlusse – die Zeit drängt und der Dienst ruft: Besorgen Sie gütigst alles für den festlichen Empfang, auf daß der Prinz recht angenehm überrascht wird und Sie liebgewinnt! Addio! Herr Oberförster!“
Martina hatte es merkwürdig eilig, aus dem Forsthause zu kommen. Hartlieb aber hatte ein Gefühl, als sei seinerseits etwas sehr Liebes und Großes gründlich versäumt und verpatzt worden...
Spät am Abend kritzelte Martina in das Tagebuch: „So ein Zottelbär, dieser Ambros Hartlieb! Führt seinen Namen zu Recht, denn es geht ‚hart‘ mit seiner ‚Liebe‘! Aber ich hab’ ihn gern, schrecklich gern und hoffe auf einen guten Ausgang in späterer Zeit! – Gute Nacht, lieber Hartlieb!“
Neuntes Kapitel
Überraschend und mit Überraschungen für die Mama war Prinz Emil gekommen. Ein schlanker, hochgewachsener junger Mann, blond das nicht üppige Haupthaar, flachsartig das Schnurrbärtchen, lichtblaue Augen mit dem Ausdruck von Gutmütigkeit. Muttersöhnchen, mager wie ein Zahnstocher, verzärtelt, verhätschelt, unsicher; bis vor wenigen Wochen wohl auch eitel, unfähig, einen selbständigen Entschluß zu fassen. Ehrerbietig hatte Prinz Emil die Mama begrüßt und geküßt, nichts von Verstimmung merken lassen, die ihm wegen der Abberufung von Berlin im Herzen saß.
Tadellos höflich, nur etwas neugierig, hatte er das Hoffräulein begrüßt. Und Martina hatte mit dem schönsten Hofknicks Reverenz erwiesen; in Gedanken aber das Muttersöhnchen „Steccadente mit Schafblick“ genannt.