Schon die Schnurrbärtchenfasson bildete eine Überraschung für Mama. Dann die Tatsache, daß Baron Wolffsegg nicht mitgekommen war, also Emil allein, nur von seinem Diener begleitet, hatte reisen müssen. Daß der Sohn bereits vierundzwanzig Lenze zählte, vergaß die Mama gänzlich. Und verärgert war die Fürstin über den Anlaß der Pflichtvernachlässigung seitens des Adjutanten. Verstimmt über die leichtfertige Art, wie Emil den Baron Wolffsegg kordial entschuldigte: Erbtante freundlichst prompt gestorben, selbstverständlich, daß Wolffsegg anstandshalber bei Beerdigung mithalf und nun in Prag den vielen Draht einsackt; so ein Schwein kann eben nur ein böhmischer Baron haben.

Diese Sprachweise, diese Ausdrücke gingen der Fürstin schwer auf die Nerven. Aber sie rügte nicht, um nicht schon am Tage des Wiedersehens Verstimmung und Verdruß heraufzubeschwören.

Nicht völlig nach Wunsch der Mama hatte Emil sich bei der feierlichen Begrüßung an der festlich geschmückten Villa benommen: zu kordial und burschikos den Oberförster behandelt, begrüßt mit den Worten: „Nette Chose, sehr hübsch, freut mir jletscherhaft, lieber Oberförster; ich danke Ihnen heftig! Hoffe, daß wir Freunde werden im grünen Revier! Servus!“

Einfach gräßlich für einen Prinzen, dachte Mama.

Und dann die an den Forstwart gerichteten Worte: „Ah, notleidender Agrarier, wie Figura zeigt, essen wohl viel Notstandsgockel, daher der große Hendlfriedhof? Wie heißen Sie denn? Was, Gnugesser! Alle Wetter! Da versteht sich der Plenus venter von selbst! Muß bezüglich Ihrer Nase Witz von König Ludwig dem Ollen kopieren: ‚He, Landrichter, große Nase, doch nicht von der Regierung bekommen?‘ Na, bei Ihnen gar nicht möglich, denn Sie sind ja nicht von der Regierung, sondern unser Beamter! Auf Wiedersehen!“

Für die Mama war es unverkennbar, daß Emil „aufgewacht“, von lähmender Apathie, von Geistesträgheit befreit ist. Die Reise hat gute Früchte gebracht. In dieser Hinsicht. Aber sonst: gräßliche Manieren, schrecklich der Ton. Eine beklagenswerte Veränderung im Wesen des bisher so gefügig gewesenen Muttersöhnchens.

So sehr ging all dieses Neue auf die Nerven, daß die Fürstin alsbald, ohne Begleitung, nach Admont fuhr, um mit Pater Wilfrid darüber zu sprechen.

Ein Privatissimum in der Klosterzelle, die der Öffentlichkeit zugänglich sein muß und sich außerhalb der Klausur befindet, weil Wilfrid Pfarrer ist, also Amtsperson.

Fürstin und Mönch in bescheidener Zelle; sorgenerfüllt die Frau, diensteifrig der Pfarrer und Edelmann von Erfahrung und Weltkenntnis.