„Das weiß ich nicht! Ich für meine Person, als Hofchef und Hausmarschall, werde mich in die Jagdangelegenheiten ganz gewiß nicht einmischen! Und falls ich gefragt werden sollte, werde ich befürworten, daß Herr Oberförster Hartlieb der Jagdleiter bleibe! Den Entschließungen der Fürstin kann natürlich nicht vorgegriffen werden! Durchlaucht ist die Gebieterin, wir haben ihre Befehle zu vollziehen!“

„Oh, Jessas!“ rief Gnugesser, und sein Bäuchlein zitterte.

„Nur keine Angst! Durchlaucht ist die Güte selbst! – Nun aber Schluß, meine Herren! Ich bin müde!“

Zu dritt kletterten die Herren auf der Leiter in den Dachboden, wo das Nachtlager im Heu bezogen wurde. Wollene Decken schützten vor der Zugluft, die durch die Balkenritzen trotz der Moosverstopfung kalt und scharf eindrang.

Xandl räumte unten auf, löschte das Lämplein und legte sich angekleidet auf die Holzbank zur Nachtruhe nieder.

Nach Mitternacht entlud sich ein Gewitter über den Stadlgraben, heftig wütete der Sturm unter schweren Regengüssen, rüttelte an der Hütte, riß grob die Türe wiederholt auf, die der aus dem Schlafe aufgeschreckte Jäger Xandl wieder schloß. Doch gegen Tagesanbruch verstummte das Sturmgeheul, das Wehen erstarb, der Regen hörte auf.

Xandl erwachte, rieb sich den Schlaf aus den Augen, und sachte öffnete er die Fensterbalken. Helles Morgenlicht und würzige Alpenluft strömten herein. Reingefegt war das Firmament, das lichtblau sich über den angeschneiten Haller Mauern wölbte. Ein prachtvoller Pirschmorgen nach düsterer Sturmesnacht. Des Jägers erster Gedanke war der seiner Führung anvertraute Graf und die günstige Chance für eine Pirsch. Aber in Erinnerung der Tatsache, daß Graf Thurn keine Büchse mitführte, wurde Xandl unschlüssig. Den herrlichen Pirschmorgen ungenützt verstreichen zu lassen, deuchte ihn eine schwere Unterlassungssünde zu sein. Als Hofchef und Hausmarschall müßte der Graf ja doch Abschußerlaubnis haben... Und die Kugelbüchse kann ihm ja der Oberförster oder der Forstwart leihen. So weckte denn Xandl die Herren mit der Meldung, daß ein prachtvoller Pirschmorgen angebrochen sei. Und hurtig machte der Jäger Feuer im Herd, um ein karges Frühstück, eine Brennsuppe zu bereiten.

Verfroren und steif in den alten Knochen kam Graf Thurn die Leiter herab, hinter ihm die Förster. Vor der Hütte wurde die Pracht des alpinen Sommermorgens, das Funkeln und Glitzern der Millionen Wasserperlen an Blattwerk und Koniferennadeln im Glanz der ersten, in den Graben blinzelnden Sonnenstrahlen bewundert.

Hartlieb bot sein Dienstgewehr für einen Pirschgang an und stellte sich als Führer zur Verfügung. Gnugesser sprach von einem guten Zwölfender, der auf dem Waschenberge stehe.