Graf Thurn erzählte, daß er nach der Inspektion einiger Hütten zur Gamsquöhn aufgestiegen sei, vom Gewitter überrascht wurde, in der Hochalm lange wartete, dann in den Falkennotgraben gestiegen sei, um dann nach zeitraubender Kraxelei den Stadlgraben zu erreichen. „Es ist ein wundervolles Gebiet, aber scharf und strapaziös! Der Dienst und wohl auch die Jagdausübung wird in den Revieren der ‚Haller Mauern‘ nicht leicht sein! – He, Xandl, die Zigarren!“
Gnugesser blinzelte dem Oberförster zu, als Graf Thurn die Bemerkung über Dienst und Jagdausübung in den Revieren gemacht hatte. Doch Hartliebs Antlitz blieb unverändert. Auch enthielt er sich jeder Äußerung. Die Zigarrenspende Thurns nahm er mit einer leichten Verbeugung an, während Gnugesser und Xandl laut dankten.
Graf Thurn fragte, ob in allen für die Fürstin bestimmten Anbauten, so wie in den Kochzimmern gleichfalls eiserne Öfen aufgestellt seien.
„Sie sind längst bestellt, werden nächster Tage zur Aufstellung gelangen!“ erwiderte Hartlieb.
„Schön! Machen Sie die Sache eilig, denn Durchlaucht werden in allernächster Zeit ankommen! Und einmal in Hall, ist man keine Stunde sicher, daß ein Hüttenbesuch befohlen wird! Bei Eintritt groben Wetters wäre es sehr fatal, wenn Durchlaucht in einer Hütte frieren müßte!“
Gnugesser hatte den Mund angelweit offen, sosehr interessierte ihn jedes Wort. Und plötzlich rutschte ihm die Frage heraus, ob die Fürstin von der Jagd etwas verstehe.
„Herr Forstwart, ich bitte Sie, jede indirekte Frage zu unterlassen!“ bemerkte rügend Hartlieb, und ein scharfer Blick flog zu Gnugesser hinüber.
Begütigend meinte Graf Thurn: „Nicht doch! Das Interesse der Forstbeamten für die neue Herrin ist ja begreiflich! Und hier unter uns Männern hat es nichts auf sich, wenn Fragen gestellt werden! Die Fürstin hat zu Lebzeiten ihres Gemahls den gnädigsten Herrn oft auf Pirschgängen begleitet und, soviel ich weiß, manchen Hirsch mit gutem Blattschuß umgelegt!“
Nun wagte auch der hünenhaft gebaute Jagdgehilfe Xandl eine Bemerkung dahin, daß ein gelegentlicher Pirschgang und ein weidgerechter Jagdbetrieb zweierlei sei. „Mit Vergunst, Herr Graf, wenn es erlaubt ist: wird die Duhrlauch selber die Jagdleitung führen, selbständig dirigieren, oder bleibt unser Herr Oberförster der Chef?“