„Also vom Hungern und Fasten?“ meinte lächelnd Emil und ging gemächlichen Schrittes weiter.
Eifrig beteuerte Beni, daß bei ihm Naturanlage vorhanden sei, eine mehr als dreimal verfluchte Veranlagung, die stetigen Verdruß verursache.
„Warum denn Verdruß?“
„No ja, halten zu Gnaden, weil mich jeder Hansdampf – Jeß Maria! Ich nehm das dumme Wort z’ruck – weil mich die Leut immer frozzeln wegen des dicken Bäucherls! Ist aber nicht zum Lachen! Magere Kost...“
„Vielleicht futtert der Forstwart zu feucht?“
„Ist nicht möglich, Duhrlauch! Wo das Gehalt so klein ist!“
„Was? Unzufriedenheit mit dem Gehalt?“
„Nicht! Keine Spur nicht von Unzufriedenheit! Wenn ich sag, daß mein Gehalt so klein ist, so hängt das mit meinem Hauskreuz und mit der vermaledeiten Haller Weiberrevolution zusammen!“
Emil fragte, neugierig geworden, nach Details dieser ihm fremden Verhältnisse und blieb stehen, damit Beni ruhigen Atems berichten konnte.
Der häusliche Krieg wegen der Entschädigung der Hausfrauenarbeit im Ehestande, der Kampf um das Gehaltsdrittel des Brotverdieners hatte Beni die Hauptwaffe, die Zunge, so geschärft, daß er sehr präzis und geläufig über die Entwicklung dieser Frage referieren konnte. Und besonders scharf betonte er die ethische Seite, das Herabdrücken der Würde der Ehefrau durch Annahme eines Lohnes auf das Niveau der bezahlten Dienstmagd. Für die ihn selbst betreffende finanzielle Seite hatte er nur den winzigen Spott, den die Gutmütigkeit gestattete. „Merkwürdig ist nur, daß die Weiber nicht nachgeben wollen, wiewohl es gar kein solches Gesetz gibt und selbst in der Schweiz nur ein Entwurf besteht! Der Pfarrer hat bereits scharf geschossen, die Bezirkshauptmannschaft hat jedwede Agitation verboten und Bestrafung wegen Störung der öffentlichen Ruhe angedroht! Hilft alles nichts, meine heißgeliebte Amanda will das Gehaltsdrittel und hetzt weiter, bis sie hoffentlich bald eingekastelt wird!“