„Auf Wiedersehen! Gegen Mittag besuche ich Sie!“ rief Emil dem Oberförster nach, der sich schwankenden Ganges entfernte.
Im Freien erholte sich Hartlieb rasch, und die Schwäche schwand. Er ging taleinwärts, um beim Rottmeister eine Schlägerung anzuordnen.
Wie er sich auf dem sonnenverklärten Sträßlein dem Sensenwerk näherte, kam ihm zu seiner freudigen und zugleich erschreckenden Überraschung Fräulein von Gussitsch entgegen. Verweint und eiligen Schrittes. Und beim Anblick des Oberförsters zuckte Martina zusammen, die Wangen erbleichten, die zierliche Gestalt erbebte. Als sie sich gegenüberstanden, rangen beide nach Worten. Am schwersten Hartlieb, der die bittersten Seelenqualen litt, nachdem ihm die Kammerfrau Hildegard die alle Hoffnungen vernichtende Neuigkeit zugeflüstert hatte, daß Prinz Emil die Hofdame von Gussitsch heiraten werde. Was soll jetzt der im Innersten so schwer getroffene, schlichte ehrliche Waldmann sagen? Wie danken, daß Martina sich zu seinem Gunsten verwendet hatte? Wie die Braut des Prinzen behandeln? Darf er gratulieren? Kann er es, der jede Hoffnung und sein Lebensglück verloren hat...?
Vergeblich mühte sich Martina ab, die Herrschaft über sich mit der nötigen Raschheit wiederzugewinnen. Wie gelähmt war die Gehirntätigkeit. Unmöglich war es, dem geliebten Manne zu sagen, daß sie tiefunglücklich sei und demnächst die Entlassung zu gewärtigen habe. Unmöglich, von Hartlieb jetzt Abschied zu nehmen... Und ganz unmöglich, in dieser Minute ein harmloses, nichtssagendes Gespräch zu führen. Alle Fähigkeiten der gutgeschulten, weltgewandten Hofdame versagten. Dagegen füllten sich die Augen mit verräterischen Zähren.
Hartlieb stützte sich auf den Stock, um nicht zu taumeln, und stammelte in abgehackten Worten seinen tiefgefühlten Dank für die wohlwollende Empfehlung bei den Herrschaften. „Ich, ich hab jetzt Vollmacht für, für alles! Aber, aber es freut mich nimmer –!“
Nun fand Martina doch so viel Kraft, um wehmütig zu lächeln und zu sagen: „Das wenige, was ich für Sie tun konnte, ist gern, von Herzen gern geschehen! Was mich wundert, ist, daß Sie von meiner geringfügigen Bemühung Kenntnis erlangt haben!“
„Vorhin hat der Prinz davon gesprochen!“
„Sie waren eben beim jungen Herrn?“ rief überrascht Martina.
Hartlieb nickte. Das Übermaß schmerzlichster Empfindungen überwältigte ihn.
In der Sorge, dem Prinzen auf der Rückkehr zur Villa in den Weg zu laufen, erkundigte sich Martina nach der Richtung, die Prinz Emil eingeschlagen habe.