„Abgemacht! Und jetzt geh ich nach Hall zur Krämerin!“

Eine Stunde später spielte Amanda Gnugesser mit der sehr zungengewandten Krämerin wie die Katze mit der Maus. Zunächst spannte Amanda die Freundin auf die Folter durch die tropfenweise Mitteilung der von der Herrschaft erlassenen Drohung hinsichtlich der Entlassung der verheirateten Beamten und Diener für den Fall, daß ihre Ehefrauen weiteragitieren.

Die Krämerin schrie vor Überraschung und Entrüstung. Und sogleich wollte sie wissen, welche Stellung Amanda dieser Vergewaltigung gegenüber einnehme.

Amanda wich aus mit dem Hinweise auf das Diktum: Gewalt geht vor Recht.

„Himmelschreiend und empörend ist diese Vergewaltigung! Gefährdung, ja Raub der persönlichen Freiheit! Unerhörter Eingriff in das Familienleben!“ Dann zeterte die rabiate Krämerin davon, daß der Frauenbund den Kampf gegen die Herrschaft mit aller Energie, mit Rücksichtslosigkeit aufnehmen und durchführen müsse. Mit Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft, mit Denunziationen bei Gericht und bei der Gendarmerie, mit Protestnoten an die Fürstin, der man das Leben sauer machen müsse. „Überhaupt die Fürstin! So ein wankelmütiges Weib, wetterwendisch wie ein Kirchenhahn! Erst nennt sie unsere Bestrebungen gut, sichert Unterstützung zu; dann krebst sie, weil der Pfarrer gegen uns gepredigt hat!“

Um die Freundin noch mehr in die Hitze zu bringen, lobte Amanda die Herrschaft wegen der bewilligten Gehalts- und Lohnaufbesserung.

„Wird nicht von Bedeutung sein! Wo es zahlen heißt, sind die hohen Herrschaften immer taub, sie drücken sich nach Möglichkeit! Pfennigfuchser, Skontoschinder sind sie alle, ohne Ausnahme! Jeder Geschäftsmann hustet auf solche Leut! Man profitiert eh schier nichts!“

„Also liegt Ihnen nichts an der geschäftlichen Verbindung mit der Fürstin?“

„Nicht soviel als ich Schwarz unterm Nagel hab!“ rief prahlerisch die Krämerin und schnipste mit den Fingern.

„Na, dann ist der Verlust nicht von Bedeutung und für Sie nicht schmerzhaft!“ meinte Amanda gedehnten und lauernden Tones.