Während der raschen Fahrt nach Hall schwätzte Emil der jungen Dame schier die zierlichen Ohren weg und guckte ihr möglichst oft und tief in die schönen Augen. Doch hielt er unwillkürlich eine gewisse Grenze ein im Empfinden, daß das Fräulein nicht die Schwester Hartliebs sei, von erheblich höherer Abkunft sein müsse. Aber nett und lieb, zum Anbeißen nett. Distinguiert und doch nicht prüde.

„Als Hofbeamter müssen Sie den Grafen Thurn kennen! Ist der Hausmarschall zu Hause?“

Diese Frage brachte Emil auf die richtige Spur. Frohlockend rief er: „Gnädigste haben sich jetzt verraten! Mit dem Inkognito ist es aus! Gnädigster Komtesse lege ich verehrungsvollsten Respekt zu Füßen!“

„Wie dumm von mir! Aber Sie sind auch nicht der Hofsekretär! Darauf getraue ich mir meinen Kopf zu wetten!“

„Was soll ich zum Einsatz geben? Wer soll ich denn sein?“

Komtesse Isotta Thurn wandte den hübschen Kopf zu Emil und blickte ihn voll und prüfend an. „Nach Papas Schilderungen sind Sie der Prinz Schwarzenstein! Ich bitte um Verzeihung, daß ich Durchlaucht so respektwidrig behandelt habe! Zugleich danke ich aber auch für die ritterliche und liebenswürdige Hilfeleistung!“

„Keine Ursache, Komtesse! Aber Sie irren sich in meiner Person...“

„Unmöglich! Es stimmt die Beschreibung, die mir Papa gegeben hat, als er mich das letztemal in der Pension zu Lausanne besuchte!“ Und schalkhaft lachend, fügte Isotta bei: „Es stimmt aber auch bezüglich Ihres Auftretens!“

„Wieso denn?“

„Hofsekretäre sind niemals – Frechdachse! Oh, bitte untertänigst um Verzeihung!“