In seiner ernsten Weise äußerte sich Hartlieb dahin, daß vielleicht Treibjagden auf Gams, wenn diese Jagdart noch unbekannt sei, ein gewisses Interesse bei dem Betreffenden wachrufen könne. Fehle das Jägerblut, so wird ein blasierter junger Mann nie ein weidgerechter Jäger werden. Bei Treibjagden stehe indes zu befürchten, daß im jungen Manne nicht die echte Jagdfreude, sondern die Schießwut erweckt werde. Ein „Schießer“ sei nun und nimmer ein wünschenswerter Gast in gehegten Revieren, eher zu fürchten, nach Möglichkeit hinauszuexpedieren.

„Sie werden wohl recht haben, Herr Oberförster! Aber unbegreiflich ist mir, daß sich das Jägerblut nicht immer vererbt! Der Vater des schläfrigen, apathischen jungen Mannes war passionierter Weidmann!“

„Von Beruf?“

„Nein! Nur zum Vergnügen!“

„Sportinteressen vererben sich nicht! Wer die Jagd nur als Sport betreibt, der ist noch kein echter Jäger! – Ein interessantes Gegenstück zu dem erwähnten jungen blasierten Manne können Sie, Herr Graf, im Stifte der Benediktiner zu Admont sehen und gewissermaßen bemitleiden wegen der schweren Seelenkämpfe, die der Novize Nonnosus durchkämpfen muß, um das echte, in seinen Adern tobende Jägerblut zu bezwingen!“

„Wie? Ein Novize und leidenschaftlicher Weidmann?“

„Der Leidenschaft muß der Novize Herr werden! Von Herzen gern hätte ich dem jungen Manne Jagdgelegenheit verschafft, konnte es aber nicht, da unser früherer Jagdherr unauffindbar verreist war, meine Kompetenz nicht ausreichte, um eine Abschußbewilligung zu erteilen! Ich bin sehr gespannt, zu vernehmen, ob Nonnosus die Leidenschaft überwinden wird! Er ist der Sohn eines Jägers und besitzt echtes Jägerblut! Dem Nonnosus dürfte das Ziel des höheren Jagddienstes vorgeschwebt haben, die Armut vereitelte es; der Noblesse des Abtes war es zu danken, daß der Jaagersbub auf Klosterkosten studieren durfte. Diese Wohltat will der Student durch Eintritt in den Benediktinerorden vergelten; die Dankbarkeit verhinderte ein ‚Ausspringen‘! Bis zur feierlichen Profeß muß der Novize sich bemühen, die Jagdleidenschaft zu überwinden! Leicht wird das nicht sein, zumal der arme Kerl kränkelt!“

„Ich werde mir den interessanten Mann ansehen! Glaube auch, daß sich die Fürstin dafür speziell interessieren wird!“

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