Die mißverständliche Auffassung, die Verwechslung der Schweiz, ermöglicht aber eine Gegenagitation, die wirksame Bekämpfung der „Revolution“! Die Aufklärung des Irrtums durch eine Predigt von der Kanzel aus wird und muß die Flammen der Weiberrevolution ersticken, in der Haller Gemeinde die Ordnung und den Frieden wiederherstellen.

Um den Frieden bei seinen Pfarrangehörigen war es Wilfrid zu tun; dem Frieden zuliebe hat er unzählige Opfer gebracht und wird sie bringen, solange er Himmelsführer in der Gemeinde Hall sein wird.

So schrieb denn Wilfrid etliche Gedanken für die Predigt nieder.

Gegen Mitternacht machte sich die Ermüdung geltend. War der Pfarrer und Gastmeister doch seit vier Uhr früh im Dienste, ununterbrochen tätig.

Die Feder entsank der fleißigen Hand.

Wilfrid löschte die Lampe aus und begab sich zur wohlverdienten Ruhe.

Sechstes Kapitel

Vor dem Jagdschlößl im einsamen Halltale stand eines klaren Morgens ein schmächtiger, junger Mann in alter, verwetzter Steierertracht. Kalkigweiß die Wangen, seltsam tief, scharfblickend und flackernd die Augen. Bartlos, frisch rasiert die Wangen. Ein Mensch, weltfremd und dennoch welthungrig. Mit dem aszetischen Gesichtsausdruck schien der magere junge Mann gar nicht in die Tracht zu passen, die auf einen Bergstock gestützte Gestalt mit einem Kugelstutzen älteren Systems auf der linken Schulter sah wie Maskerade aus.

An scherzhafte Verkleidung, an Salontirolerei glaubte denn auch der Kammerdiener Norbert, als er diesen „Steierer“ erblickte und wegweisen wollte. Unmöglich konnte der junge, bleiche Mann ein Jagdgehilfe sein: die auffallend weißen Hände, die kalkige Gesichtsfarbe sprachen dagegen. „Sie, junger Mann, entfernen S’ Ihnen! Hier haben Sie nichts zu suchen!“ rief er patzig.