Seine Erklärung scheint hauptsächlich hervorgerufen worden zu sein durch verschiedene Anfragen der Prinzipalität auf die Notizen verschiedener Zeitungen, die hiesige Buchdruckergenossenschaft habe die Vermittlung abgelehnt, während man sie in corpore nicht darum gefragt hatte.

Ich bemerke hierüber ausdrücklich, daß die Nachrichten in öffentlichen Blättern, die sich sogar vielfach widersprechen, nicht von mir ausgegangen sind. Das Gute aber haben sie gehabt, daß die öffentliche Meinung aufs neue angeregt wurde und mich unter anderen Geheimrat v. Wächter gestern früh zu sich bescheiden ließ, um mit ihm über die Sache zu konferieren. Er teilte mir mit, daß er bereit sei, jederzeit die Vermittlung wieder zu übernehmen, und er sich hierzu meine Hilfe erbitte. Er schlage mir vor, zunächst nochmals bei der Tarifkommission anzufragen, ob man hierzu geneigt sei und auf welcher Grundlage. Wobei er mir bemerkte, wie er es für unumgänglich notwendig erachte, daß man sich von seiten der Gehilfen zu Konzessionen herbeilasse. Dieser letzteren Ansicht muß ich vollkommen beistimmen, und haben auch Sie vollkommen recht, daß die Form, in welcher man anfangs vorging, nicht die rechte war.

Auf nochmalige Anfrage bei der Tarifkommission erklärte man sich bereit, zu Wächter zu gehen und sich mit ihm zu vereinbaren. Ich erklärte dabei nochmals, daß der ständige Ausschuß sofort bereit sein würde, in Gemeinschaft mit Wächter die Vermittlung zu übernehmen. Man nahm dies dankend an und versprach, nachdem man mit Wächter Rücksprache genommen, mir Antwort zu sagen. Leider war ich gestern nachmittag nicht anwesend, als die Deputation bei mir war. Heute morgen nach Empfang Ihres Briefes begab ich mich sofort in das Sitzungslokal der Tarifkommission, traf aber dort niemand an. Ich werde daher später nochmals hingehen. So weit vormittags 1/2 10 Uhr.

Mittags 1 Uhr. Soeben verließ mich ein Mitglied der Tarifkommission, das mir folgendes mitteilte. Der Vorsitzende der genannten Kommission habe sich gestern auf meinen Wunsch zu Wächter begeben und ihm ihre Bereitwilligkeit, unter Hinzuziehung des ständigen Ausschusses nochmals zu unterhandeln, ausgesprochen. Auf die Frage, auf welcher Grundlage das geschehen solle, habe man den Vorschlag gemacht, eine andere Art der Berechnung aufzustellen, nämlich statt nach 1000 n nach dem Alphabet. Wächter ist damit einverstanden gewesen und hat versprochen, mit einigen Prinzipalen Rücksprache zu nehmen und über den Erfolg Antwort zukommen zu lassen. Bis jetzt ist eine solche nicht erfolgt, und es bleibt uns nach meiner Ansicht für jetzt nichts anderes übrig, als diese abzuwarten; ich werde Ihnen alsdann sofort Nachricht zukommen lassen.

Ihrer Ansicht, an Brockhaus und Härtel zu schreiben, kann ich nicht zustimmen, da diese gerade die größten Gegner der Arbeiter respektive der Arbeitervereine sind und Sie sich durch ein Motiv, wie Sie es in Ihrem Schreiben angeben, aufs schlimmste insinuieren würden. Sagt man doch Härtel nach, daß er beim hiesigen Polizeidirektorium dahin zu wirken versucht habe, daß man die hiesigen Vereine auflöse, weil sie die feiernden Arbeiter zum Teil unterstützt haben, und mußte ich doch auch aus seinem Munde hören, daß die Angelegenheit am besten zu Ende geführt würde, wenn die Arbeiter und Vereine aufhörten, die Buchdrucker mit Geldsammlungen zu unterstützen.

Schließlich muß ich mich gegen den Vorwurf in Ihrem Schreiben verwahren, als wenn ich allein die Vermittlung hätte übernehmen wollen. Es ist mir dies nicht im entferntesten eingefallen, und ich habe ausdrücklich, sowohl bei der Tarifkommission wie bei Härtel, von einer Deputation des ständigen Ausschusses gesprochen und auch ausdrücklich die Namen genannt. Schon wegen einer Besprechung in unseren eigenen Angelegenheiten wäre es mir lieb, Bandow und Hirsch hier zu haben.“

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Drei Tage später, den 16. Mai, folgte alsdann von mir ein neuer Brief an
Sonnemann, in dem es hieß:

„Ich bin nunmehr in der Lage, Ihnen endgültig über die
Buchdruckerangelegenheit zu berichten.

Wie ich Ihnen in meinem Schreiben mitteilte, war die Tarifkommission auf meine Veranlassung mit Wächter in Unterhandlung getreten und hatte diesem als Grundlage die neue Berechnungsart vorgeschlagen. Wächter ging darauf ein und berief die frühere Vermittlungskommission der Prinzipale, um ihr diese Proposition der Tarifkommission zu stellen. Man rechnete und rechnete, fand aber schließlich, daß das Resultat dasselbe sei, indem man allerdings oftmals nur 27 bis 28 Pfennig zu zahlen haben würde, aber eben so oft auch 32 und 33 Pfennig. Mitglieder der Tarifkommission versicherten mir selbst, der Preis bleibe nach dieser Berechnung der gleiche und nur die Form sei eine andere. Die Prinzipale lehnten nunmehr die Vermittlung ab, da sie nur im Falle einer Konzession in den Bedingungen der Gehilfen sich zu einer Verständigung herbeilassen wollten.