Als ich nun gestern früh Ihr wertes Schreiben erhielt,[4] trat ich sofort wieder mit der Tarifkommission in Unterhandlung, legte ihr den Frankfurter Tarif, sowie Ihre Berechnung als Basis für eine Vermittlung mit den Prinzipalen vor, nochmals hervorhebend, wie ich es selbst für notwendig hielt, nicht starr an den Forderungen festzuhalten und die Sache nicht auf die Spitze zu treiben. Der Betreffende erklärte sich mit diesen Ansichten einverstanden, versprach, den Vorschlag seinen Kollegen vorzulegen und mir Bericht zu erstatten.

Gestern abend erhielt ich Antwort. Diese lautete abschlägig. Man motivierte diese Antwort damit, man habe verschiedenes in Aussicht, weshalb man hoffe, dennoch die Forderungen durchzusetzen. Leipzig als Hauptort des Buchdrucks habe vor allem darauf zu sehen, einen möglichst hohen Lohn zu erzielen, da dieses für die anderen Städte von großem Einfluß sei, auch enthalte der von Ihnen aufgestellte Entwurf eine ganze Menge von Bestimmungen, in denen sie den Prinzipalen Konzessionen machen könnten und wollten. Ich war durch diese Antwort überrascht. Ich hatte sicher erwartet, daß man diesen Vorschlag annehmen würde. Nachdem er abgelehnt wurde, habe ich keine Veranlassung, in dieser Angelegenheit noch einen Schritt zu tun, es sei denn, man fordere mich von jener Seite dazu auf.

Mir scheint, daß, wie die Prinzipale von Härtel und Brockhaus sich beeinflussen lassen, auch einige in der Tarifkommission über alle anderen gebieten. Man muß es nun schließlich darauf ankommen lassen, welche von den beiden Parteien mit ihrer Starrköpfigkeit den Sieg davonträgt.

Von seiten der Gehilfen erwartet man von der jetzt im Gange befindlichen Buchhändlerbörse einen günstigen Einfluß für ihre Forderungen; wie weit dies richtig ist, wird sich herausstellen. Tatsache ist auch, daß von auswärts immer noch eine Masse von Zuschriften und Geldsendungen einlaufen, die sie zur Ausdauer anfeuern.

Wie Ihnen bereits bekannt sein dürfte, geht man von seiten der Polizei mit Maßregelungen gegen die feiernden Gehilfen vor, was ich durchaus nicht billige. Es haben infolgedessen am Montag bereits neunzehn Mann die Stadt verlassen. Einer hat wieder zu arbeiten angefangen. Jedenfalls ein klägliches Resultat, wenn man zu diesem Zweck, wie zu vermuten, die Maßregelungen ins Werk gesetzt hat.“

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In einem anderen Briefe von mir an Sonnemann vom 28. Mai heißt es in einer Nachschrift lakonisch: In der Buchdruckerangelegenheit steht alles beim alten.

Am 20. Juni schreibt Sonnemann wieder:

„Ich bin nicht wenig erstaunt, daß Sie mein Schreiben vom 17. ds. Mts. gänzlich unbeachtet lassen (dasselbe ist aus dem schon oben angegebenen Grunde nicht mehr zu entziffern, es bezog sich aber auch mit auf die Buchdruckerangelegenheit). Wenn der Mechanismus bei uns nicht besser ineinandergreift, dann wird mir wohl die Herausgabe der Flugblätter sehr schwer werden.“

Hierzu sei bemerkt: Der ständige Ausschuß hatte, weil er mit dem Verleger der „Allgemeinen Arbeiterzeitung“ in Koburg beständig in Konflikt war, die Herausgabe von Flugblättern beschlossen, die womöglich wöchentlich erscheinen sollten. Diese Flugblätter sollten alle auf die Arbeiterbewegung bezüglichen Mitteilungen enthalten und sollten in erster Linie die Mitglieder des ständigen Ausschusses daran mitarbeiten. Meine Antwort auf Sonnemanns Brief ist vom 23. Juni datiert und lautete: