„Die Vorwürfe, die Sie mir in Ihrem letzten Schreiben vom 20. ds. Mts. über meine angebliche Lauheit machen, muß ich zurückweisen. Sie würden dieselben nicht gemacht haben, wenn Sie meine Verhältnisse kennten. Diese aber sind derart, daß ich über meine Zeit nicht so verfügen kann, wie ich möchte. Habe ich auch ein selbständiges Geschäft, so bin ich durch meine Unbemitteltheit gezwungen, durch Arbeit den täglichen Lebensunterhalt zu verdienen; dazu kommt, daß ein guter Teil der Last der Geschäfte im (Arbeiterbildungs-)Verein ebenfalls auf mir liegt und ich auch hier schon gezwungen bin, manche Stunde zu opfern, abgesehen von den Abenden, die gänzlich durch Vereinsangelegenheiten in Anspruch genommen sind. Gleichwohl werde ich, soweit es irgend geht, den an mich gestellten Anforderungen nachzukommen suchen und würde auch auf Ihr erstes Schreiben bereits geantwortet haben, wenn das, was ich zu schreiben hatte, sich der Mühe verlohnte….
Namentlich ist in bezug auf Arbeiten und Lohnfragen eine förmliche Windstille eingetreten, wie das nach der Aufregung und dem Lärm der vorhergehenden Wochen nicht anders zu erwarten war.
Bezüglich der Buchdruckerangelegenheit war ich am Dienstag bei Heinke, dem Redakteur des „Korrespondent“ (der 1863 gegründet worden war). Heinke will Ihnen das Blatt vom 1. Juli ab regelmäßig unter Kreuzband zukommen lassen gegen Eintausch der Flugblätter und von sonstigen Mitteilungen…. Ferner versprach er, mir wichtige Nachrichten über Buchdruckerangelegenheiten, sei es von hier oder auswärts, zukommen zu lassen, und werde ich alsdann Ihnen möglichst schnell referieren.
Betreffs des hiesigen Buchdruckerstreiks teilte er mir mit, daß der größte Teil der Tarifkommission, sowie des Vorstandes des Buchdruckerfortbildungsvereins noch keine Kondition habe und so schnell auch noch keine bekommen werde. Gleichwohl glaubte er, daß man eine Unterstützung von unserer Seite nicht annehmen werde, indem erstens noch Geld vorhanden sei, zweitens die in Arbeit getretenen Gehilfen für die Arbeitslosen wöchentlich steuerten, endlich drittens sie alsdann in die Lage kommen könnten, bei Arbeitseinstellungen anderer Branchen ebenfalls zu steuern, was ihren schon jetzt sehr in Anspruch genommenen Geldbeutel nur noch mehr belasten würde; man habe von allem Anfang an beschlossen, Unterstützung von Nichtbuchdruckern gar nicht oder doch nur im alleräußersten Falle anzunehmen.“[5]
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Die Befürchtung der Buchdrucker, daß sie auch für die Streiks anderer Branchen herangezogen werden könnten, hatte insofern eine Berechtigung, als in jenem Frühjahr sowohl die Schneider wie die Arbeiter an dem Bau der städtischen Wasserleitung streikten und die Schuhmacher ebenfalls in den Streik eintraten.
In bezug auf letzteren schrieb ich Sonnemann am 28. Juni:
„Gestern fand im Hotel de Saxe eine Versammlung der Schuhmacher zum Zwecke der Lohnerhöhung statt. Da wir eine dringende Sitzung hatten, konnte ich erst später hingehen. Einen vollständigen Bericht könnte ich deshalb nicht liefern. Dr. Eras, welcher den Verhandlungen von Anfang bis Ende beigewohnt hat, wird Ihnen einen solchen für die „Neue Frankfurter Zeitung“ zugesandt haben, den Sie im Flugblatt mit verwenden können.
Nach dem Geiste zu urteilen, der in jener Versammlung herrschte, werden
die Arbeiter mit ihren sehr gerechten Forderungen nicht durchkommen.
Unklarheit, Uneinigkeit unter ihnen lassen es nicht dazu kommen,
obgleich sie es mehr wie jeder andere Arbeiter bedürften, da ein guter
Arbeiter bei zwölfstündiger Arbeitszeit 2 Taler 20 Neugroschen bis 3
Taler die Woche verdient. Da wir als Unbeteiligte uns nicht in die
Debatten mischen durften, so haben Eras und ich es ihnen später im
Privatzirkel tüchtig gesagt, es wird nur nichts nützen.“
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