Meine Stellung zur Kommune.
Am 10. März 1876 hatte ich in Leipzig eine Disputation mit Bruno Sparig, einem Hauptagitator der Leipziger Nationalliberalen, der in seiner Rede über meine Stellung zur Kommune alle die Angriffe vorbrachte, die man damals gegen die Kommune machte. Jene Versammlung war von beiden Parteien gemeinsam einberufen, jede Partei bekam gleichviel Eintrittskarten zur Verteilung, jede Partei wählte auch einen Vorsitzenden, der den Vorsitz führte, während der Gegner redete. Von unserer Seite war Julius Motteler dieser Vorsitzende, von seiten der Gegner ein Direktor Peucker.
Ich erweise manchem meiner Leser einen Dienst, wenn ich meine damalige
Leipziger Rede, wenn auch gekürzt, hier zum Abdruck bringe:
Direktor Peucker: Herr Bebel hat jetzt das Wort. (Der Redner wird
beim Betreten der Tribüne mit stürmischem Beifall empfangen.)
Bebel: Ich knüpfe an die letzten Worte des Herrn Sparig an. (Unruhe.) Herr Sparig erklärte, er habe noch so viel Tatsachen gegen die Kommune anzuführen, daß er noch zehn Abende damit zubringen könnte. (Unruhe.) Meine Herren, ich habe Herrn Sparig gleich anfangs die Offerte gemacht, daß, wenn die Disputation an einem Abende nicht beendigt sei, sie am nächsten oder an einem späteren Tage fortgesetzt werden solle. Wir könnten also morgen oder nächsten Montag die Debatte fortsetzen, wozu ich bereit bin. (Große Unruhe, Zischen.) Herr Sparig hat aber erklärt, es sei an einem Abende genug, die Sache würde dabei zum Austrag gebracht werden. (Bravo! Zischen.)
Meine Herren, zunächst eine persönliche Erklärung meinen Parteigenossen gegenüber, die mir zum Teil heftige Vorwürfe gemacht haben, daß ich auf die Bedingung eingegangen bin, daß zu dieser Versammlung Karten ausgegeben wurden, weil dies gegen das Prinzip der Volksversammlungen verstößt. Meine Herren, ich würde nimmer auf diesen Vorschlag eingegangen sein, wenn ich nicht überzeugt gewesen wäre, daß im anderen Falle die Versammlung gar nicht stattgefunden hätte. Ich bin einzig und allein aus diesem Grunde darauf eingegangen, ich werde aber ein zweites Mal nicht darauf eingehen, weil, obgleich bei unserer Abmachung Herr Sparig sagte, man wolle, um nicht „unanständig“ zu erscheinen, bei dem Eingang nicht sammeln, um kein Geldgeschäft daraus werden zu lassen, dennoch von seiten des Herrn Sparig das Versprechen nicht gehalten, sondern der Vertrag verletzt und die Karten gegen Geld ausgeboten wurden. (Große Unruhe. Rufe: Das ist nicht wahr!) Bebel: Wie können Sie da rufen, das ist nicht wahr? (Bravo! Zurufe.)
Meine Herren! Zunächst bitte ich vor allem meine Parteigenossen, mich
nicht durch Beifallsbezeigungen zu unterbrechen, aus dem einfachen
Grunde, weil mir diese zu viel Zeit wegnehmen. Ich habe nur anderthalb
Stunden Zeit. (Unterbrechung, Zischen.)
Vorsitzender Direktor Peucker: Meine Herren, ich muß Sie ersuchen,
alle derartigen Ausrufe wie „Das ist nicht wahr“ usw. zu unterlassen.
Herr Bebel hat laut eingegangenem Kontrakt das Wort. Ich ersuche beide
Parteien, Herrn Bebel ruhig reden zu lassen.
Bebel: Meine Parteigenossen haben Herrn Sparig mit der größten Ruhe
angehört, obgleich sie häufig Ursache gehabt hatten, ihr Mißfallen
kund zu geben. (Fortgesetzte Unruhe seitens der Liberalen.)
Ich glaube, meine Herren, wir haben der liberalen Partei heute den
Beweis geliefert, daß ihre Behauptung unwahr ist, daß ein Gegner in
einer sozialdemokratischen Versammlung nicht sprechen könne; Herr
Sparig hat im Gegenteil ganz ruhig sprechen können, während
Sie — (Große Unruhe. Rufe: Raus! Lärm seitens der Liberalen.)