„Was vorzugsweise das körperliche Wohlbefinden fördert, wird auch das seelische fördern. Vereinigt in der Zivilisation das Interesse Freunde, so vereinigt es im sozietären Zustand sogar die Feinde, es söhnt die antipathischen Charaktere durch indirekte Kooperation aus, und zwar, weil in einer großen Reihe von Serien und Gruppen, in die jeder Einzelne nach der Verschiedenheit seiner Neigungen und Triebe nach und nach eintritt, er durch die Berührung findet, daß Diejenigen, die ihm auf dem einen Gebiet antipathisch waren, ihm auf anderen sympathisch sind. Auch wird das Nebeneinanderarbeiten nach demselben Ziel unwiderstehlich seine aussöhnende Wirkung üben.“

„Die seelischen Triebe verlangen so gut wie die sensuellen Abwechslung, um befriedigt zu werden; es sind also auch die Herzen der großen Mehrheit der beiden Geschlechter dem Bedürfniß nach Veränderung und Abwechslung unterworfen. Der Mann wie die Frau wünschte sich ein Serail, wenn Abhängigkeit, Sitte und Gesetz sich dem nicht widersetzten. Die ernsten Holländer, die in Amsterdam so hoch moralisch scheinen, haben in Batavia ihre Serails, gefüllt mit Frauen aller Hautfarben. Da haben wir das Geheimniß unserer Moral; sie wird zur Heuchlerin, wenn die Umstände es gebieten, und sie wirft die Maske ab, wenn sie dies ungestraft thun kann.“

„Pflanzen und Thiere haben das Bedürfniß nach Wechsel und Kreuzung. Mangels eines solchen Wechsels arten sie aus. Ebenso hat der Magen das Bedürfniß nach Wechsel; entsprechende Veränderung in den Speisen erleichtert die Verdauung und erhöht das Behagen und die Befriedigung; aber man gebe dem Magen dieselbe ausgesuchteste Speise täglich und er wird sie mit Widerwillen zurückweisen. Geist und Seele sind von dem Trieb nach Veränderung beherrscht; oft wirken zwei und drei Triebe gleichzeitig; so Liebe und Ehrgeiz.“

„Die Erde selbst hat ihre internirenden Zeiten, die der Besaamung, der Erzeugung. Der Boden bedarf alternirender Anwendung der Pflanzen; die ganze Natur verlangt nach Wechsel. In der ganzen Welt existiren nur die Moralisten und die Chinesen, welche die Einförmigkeit, die Uniformität verlangen; aber die Chinesen sind auch die falschesten, der Natur am meisten widerstrebenden Wesen.“

Fourier, der, wie wiederholt hervorgehoben wurde, Alles haßte, was mit dem Handel zu thun hatte, haßte die Chinesen besonders, weil sie, nach dem Vorurtheil seiner Zeit, die größten Diebe und Betrüger im Handel seien. Wir wissen heute, daß dies eine falsche Ansicht ist, obgleich die Vorurtheile gegen die Chinesen noch sehr stark in Europa sind. Ebenso wie die Chinesen waren Fourier als hauptsächlich handeltreibendes Volk die Juden verhaßt, die er unmittelbar den Chinesen in der Rangordnung folgen ließ. Er war sehr unglücklich, als man in Frankreich den Juden die vollen bürgerlichen Rechte einräumte, was ihn freilich nicht abhielt, wie wir sahen, Herrn von Rothschild unter die Kandidaten für seine Versuchsphalanx zu reihen und ihm ein Königreich Jerusalem in Aussicht zu stellen.

„Die Moral“, führt Fourier weiter aus, „welche die drei Triebe: Kabalist, Papillone, Komposit, am heftigsten kritisirt, ist selbst im stärksten Widerspruch mit der Natur. Diese drei Triebe spielen eine große Rolle im sozialen Mechanismus, wie die Natur es will; sie haben die Herrschaft, denn sie dirigiren die Serien der Triebe; jede Serie ist in ihrem Mechanismus gefälscht, wenn sie nicht den kombinirten Schwung dieser drei Triebe begünstigt; sie bilden die neutrale Gattung in der Tonleiter der zwölf Triebe.“

„Aktiver Gattung sind die vier Triebe der Seele: Freundschaft, Ehrgeiz, Liebe, Elternschaft; passiver Gattung die fünf sensuellen Triebe: Gehör, Geruch, Geschmack, Gesicht, Gefühl. Die neutrale Gattung — die mechanisirenden Triebe — macht sich besonders bemerklich bei den Kindern, denen die zwei affektiven Triebe — Geschlechtsliebe und Elternschaft — noch fehlen; sie überlassen sich den mechanisirenden Trieben in ihren Spielen am meisten, welche sie sehr selten über zwei Stunden ausüben, ohne zu wechseln.

Diese Disposition wird man für sie bei der Organisation ihrer Erziehung und Beschäftigung besonders in Anwendung bringen.“

„Die Anziehung kann dreierlei Art sein: direkt oder übereinstimmend; indirekt oder gemischt; verkehrt oder abweichend, d. h. gefälscht. Direkt ist sie, wenn sie aus Freude an dem Gegenstand selbst die Thätigkeit ausübt. So haben Archimedes in der Geometrie, Linné in der Botanik, Lavoisier in der Chemie nicht des Gewinnes wegen, sondern aus heißer Liebe zur Wissenschaft gearbeitet. So kann ein Fürst aus Liebe an dem Gegenstand Orangen- oder Nelkenzucht treiben, oder wie Ludwig XVI. die Schlosserei; kann eine Fürstin Zeisige oder Fasanen pflegen. Hier herrscht direkte Anziehung zur bestimmten Beschäftigung, und so werden in der sozietären Gesellschaft sieben Achtel der Arbeiten beschaffen sein.“

„Die indirekte Anziehung ist vorhanden, wenn Jemand eine Thätigkeit mehr des Gewinnes wegen, oder der Resultate seiner Arbeit als des Gegenstandes selbst wegen ausübt. Zum Beispiel ein Naturforscher, der widerliche Reptile oder Giftpflanzen unterhält. Er liebt weder das Eine, noch das Andere an sich, aber er überwindet seinen Widerwillen durch den Eifer, den die in Aussicht stehenden wissenschaftlichen Resultate in ihm erwecken. Solche indirekte Anziehung wird sozietäre Funktionen erregen, die einer besonderen Anziehung beraubt sind, aber größeren Gewinn oder größere Anerkennung finden. Dieser Art Arbeiten wird es ein Achtel geben.“