Fourier erläutert jetzt die Art der Vertheilung der materiellen Genüsse in der Phalanx. Die Uebereinstimmung in der Vertheilung sei garantirt, wenn man zwei bestimmte Mittel, die mehr als genügten, in Anwendung bringe: Das erste sei die Gierigkeit, die bei den Menschen nie fehlen werde. Finde man ein Mittel, die Gier des Einzelnen in ein Pfand billiger Vertheilung umzuwandeln, so werde die Herrschaft der Gerechtigkeit schon gesichert. Das zweite Mittel, um das Gleichgewicht der Vertheilung herbeizuführen, sei die Generosität. Diese halte man wohl für unmöglich, sie sei aber durchzuführen.

Jeder, der sich mit Anderen geschäftlich verbinde, wolle daraus Vortheil ziehen. Trete ein solcher nicht ein, löse die Verbindung sich auf. Diese Gefahr sei in der Phalanx nicht vorhanden, da die Vortheile für das Wachsthum des Einkommens kolossale seien und dieses im Vergleich zu heute sich wenigstens verdreißig- und vervierzigfache. Zwei Beispiele möchten dies beweisen. Eine Familie, die in Paris 60.000 Franken jährlich ausgebe und dafür Pferde, Wappen, Diener und Wohnung in der Stadt und auf dem Lande unterhalte, könne in der Phalanx mit 6000 Franken dasselbe haben. Dieser zehnfache Vortheil werde ein zwanzigfacher, wenn man erwäge, welch große Auswahl in Bezug auf Wagen aller Art man in der Phalanx habe, daß man von den Streitereien mit Händlern und Kaufleuten, von den Ausgaben für Lakaien und von ihren Diebereien und Betrügereien, von der Spionage und anderen Widerlichkeiten, welche das Gesinde zu einer Geißel der Großen machten, befreit sei. Man solle ferner an die Verbesserung der Straßen und Wege denken, deren Zustand heute auf dem Lande den Aufenthalt verbittere und sie einen großen Theil des Jahres fast unpassirbar mache. Das Gegentheil in der Phalanx, wo alle Straßen und Wege mit Trottoirs für Equipagen und leichte Wagen, für Fußgänger wie für Pferde und Zebras versehen, die Wege schattig und mit Fußsteigen, die man nach Bedürfniß besprenge, ausgestattet seien. Dazu kämen die Annehmlichkeiten der überdeckten Verbindungen zwischen den Wohnungen, Ateliers, Werkstätten, Stallungen; für Kirche, Theater, Ballsäle u. s. w., und daß alle diese verdeckten Passagen im Winter erwärmt seien, so daß man kaum wissen werde, ob es draußen warm oder kalt sei. Es seien dies alles Erleichterungen und Annehmlichkeiten, wie sie in der Zivilisation selbst ein König sich nicht verschaffen könne. Das Wohlsein werde sich also in der Phalanx in das unzählbar Vielfache steigern. Dasselbe sei mit den Mahlzeiten der Fall. Die Raffinements, die aus der stetigen Verbesserung der Materialien in Garten, Feld, Stallung und Keller hervorgingen, in der Küche durch die verbesserten Methoden der Fertigstellung sich steigerten, könne kein Einzelner, und sei er der Reichste, herbei- und durchführen. Und an alledem nähme der Aermste in der Phalanx Theil.

Fourier, der offenbar in den Dingen der Küche und was damit zusammenhängt genaue Spezialstudien gemacht hat, führt dies im Detail sehr anziehend und Lust erweckend aus; so wird es nach ihm eine Kleinigkeit sein, daß man auf jeder Tafel bei jeder Mahlzeit wenigstens dreierlei Arten Käse, jeden wieder in verschiedenen Qualitäten, zum Nachtisch haben kann, so daß eine zwölffache Auswahl gewöhnlich sei. Fleisch, Geflügel, Wild, Fische, Gemüse, Kompots, Eier- und Mehlspeisen würden in einer Vielseitigkeit der Herstellung und in einem Raffinement geliefert, von dem gegenwärtig kaum Jemand eine Vorstellung habe. Die Tafel der Reichen in der Phalanx sei täglich bei einer Mahlzeit mit mindestens dreißig Gerichten bedeckt, und selbst die Armen dürften, wenn erst die Phalanx in vollem Gange sei, auf mindestens zehn Gerichte zum Mittagtisch rechnen. Es kann, ihm zufolge, daher auch gar nicht fehlen, daß selbst die Könige, nachdem sie die Phalanx besucht und sich von ihrer Opulenz nach allen Richtungen durch den Augenschein überzeugt haben, sich beeilen werden, die Gründung der Phalanxen nicht nur zu unterstützen, sondern selbst mit ihrem Hofstaat in eine solche einzutreten.

Die Phalanx verbindet also, nach F. Ansicht, die sensuellen Vergnügungen mit der Abwesenheit aller materiellen Sorgen, die heute Vätern und Müttern so viel Kopfschmerzen verursachen. Sie findet rasch die Zustimmung der Väter, die von den Kosten der Haushaltung, der Erziehung und der Ausstattung der Kinder befreit sind; sie findet die Zustimmung der Frauen, welche alle der vielen Widerwärtigkeiten der Haushaltung, wo die Mittel fehlen, los und ledig sind; sie findet die Zustimmung der Kinder, denen nur anziehende Beschäftigungen, Vergnügungen und die besten Mahlzeiten in Aussicht stehen; und sie findet endlich auch die Zustimmung der Reichen, die erhebliches Wachsthum ihres Vermögens und das Verschwinden aller Risikos und die Beseitigung des Aergernisses, von dem, wie Fourier behauptet, sie stets umgeben sein sollen, zu erwarten haben. Der Arme kann natürlich gar nichts Besseres thun, als sofort mit beiden Händen zugreifen, denn er hat Nichts zu verlieren, aber Alles zu gewinnen. So werden die Serien, die Gruppen, die Individuen in der Phalanx alle in den edelmüthigsten Entschlüssen übereinstimmen und werden selbst zu materiellen Opfern entschlossen sein, die aber nicht einmal nöthig sind. Bei dem Gedanken, wieder in die Zivilisation zurückzufallen, wird Jeder erschreckt sein, wie bei dem Gedanken, in die Arme des Teufels zu stürzen; Jeder würde bereit sein, lieber sein halbes Vermögen zu opfern. So wird sich die Uebereinstimmung und die Aufrechterhaltung der Einheitlichkeit in allen materiellen Dingen auf die höchste Stufe erheben.

Wie nach Fourier in der Phalanx sich die materiellen Interessen zur größten Zufriedenheit Aller ausgleichen, so wird auch die Vermischung und aus Zuneigung entstehende Uebereinstimmung der drei Klassen sich vollziehen. „Die reiche Klasse muß nur gewahr werden, daß man sich ihr seitens der anderen Klassen höflich und ohne persönliches Interesse und ohne Gefahr der Hintergehung nähert, und sie wird bereitwilligst der Phalanx ihre Kräfte und ihr Vermögen leihen. Damon, der ein großer Blumenfreund ist und in Paris wohnt, macht jährlich bedeutende Ausgaben für seine Blumenbouquets, aber er wird übel berathen und betrogen durch die Verkäufer, bestohlen durch Gärtner und Diener. Dadurch wird ihm die Blumenzucht verleidet und er entschließt sich, die Kultur derselben aufzugeben, so sehr er sie liebt. Darauf besucht Damon die Versuchsphalanx, wo er sieht, daß die Blumenzucht eifrig gepflegt wird und er Unterstützung an Anderen findet, die gleich ihm dafür begeistert sind. Statt Mißtrauen zu begegnen, sieht er, daß man seinen Wünschen und Rathschlägen, als von einem Sachkenner kommend, bereitwillig Folge leistet und alle Arbeiten ausführt. Ihn trennt keine Verschiedenheit der Interessen von den Mitwirkenden, denn alle Kosten trägt die Phalanx; er sieht sich geachtet und geliebt, weil man seine Kenntnisse schätzt und ihn als eine Stütze der Serie betrachtet. Namentlich sind es die Kinder, die sich um ihn drängen und bei dem drohenden starken Regen Schutzzelte über die Beete spannen. Er fühlt sich unter diesen Blumenfreunden wie in einer zweiten Familie und entschließt sich zu mehreren Adoptionen. Da ist Aminte, ein Mädchen ohne Vermögen, aber eine der geschicktesten Seriesten, die für Damon begeistert ist; sie sieht in ihm, dem Sechzigjährigen, die Stütze der ihr theuren Kultur; sie will sich ihm erkenntlich zeigen, und da sie auch ein Mitglied einer Gruppe der Zimmerordnerinnen ist, übernimmt sie die Sorge für Damon's Zimmer und Garderobe. Sie dient Damon nicht aus materiellem Interesse, denn er bezahlt sie nicht, und dies wäre überhaupt unzulässig, sondern aus Dankbarkeit für seinen Eifer für die Kultur der Blumen. Damon hat also doppelte Freude, er hat in Aminte eine eifrige und gelehrige Schülerin und eine aufmerksame Gouvernante, und zum Dank adoptirt er sie. Bei dieser industriellen Kooperation war also die Freundschaft im Spiel, ein Trieb, der namentlich bei den Kindern einen schönen Aufschwung nimmt, weil ihm weder durch Liebe, noch durch Gewinnsucht, noch durch Familieninteresse entgegengearbeitet wird.“

„Im Jugendalter ist's hauptsächlich die Liebe, welche den Rangunterschied verwischt und selbst einen Monarchen auf die Stufe einer Schäferin, die ihn gefangen genommen hat, stellt. Wir haben also Keime zur Ausgleichung von Rang- und Standesunterschieden selbst in der Zivilisation, aber sie kommen nicht zum Ausbruch. Auch sehen wir, daß in Sachen des Ehrgeizes der Höhere den Niederen unter Umständen nicht verschmäht. Zum Beispiel in Partei- und Wahlkämpfen. Es sind nicht blos die Scipione und Catone, die, um seine Stimme zu erhalten, dem Landbebauer die Hand drücken. Aber hier wirkt nur die Sucht nach persönlichem Gewinn und Befriedigung persönlichen Ehrgeizes. Vollziehen also diese niederen Mittel schon die Annäherung verschiedener Klassen, dann ist dies viel leichter durch edle Mittel, durch Bande freiwilliger Zuneigung, wie das Beispiel zwischen Damon und Aminte zeigt.“

„Nun kann Damon, bei zwanzig verschiedenen Thätigkeiten beschäftigt, überall ähnliche Bande knüpfen. Alle Serien und Gruppen bestehen aus Gleichstrebenden, und da Jeder bei einer speziellen Arbeit in einer Branche in Uebung ist und er darin leicht sich auszeichnen kann, wird es ihm an Anerkennung der Genossen nicht fehlen. Der Reiche genießt aber doppelte Anerkennung, einmal wegen der Geschicklichkeit, durch die er sich in irgend welchen Arbeiten auszeichnen kann, dann durch die Munifizenz, die er den von ihm gewählten Industrien erweist. So macht Damon Ausgaben für sehr werthvolle Pflanzen, die auf Kosten der Phalanx anzuschaffen die Regentschaft sich weigert. Für diese Dienste wird Damon seitens der Serie zum Chef der Zurüstungen gewählt; so wird ihm sein Geschenk mit doppelter Zuneigung vergolten; seine intelligenten und eifrigen Genossen erweisen sich ihm dankbar und ihre Freundschaft und sein Ansehen steigt bei ihnen und den rivalisirenden Nachbarn. Der Reiche kann also sich mit vollem Vertrauen der Phalanx überlassen, er hat keine Falle zu fürchten, kein ungehöriges Verlangen wird ihn beunruhigen. Kein Zweifel, daß in der Harmonie die Ungleichheiten sich leicht verbinden. Lustigkeit, Wohlbefinden, Höflichkeit und Rechtschaffenheit der niederen Klassen werden den Reichen zum Eintritt in die Vereinigungen verführen, dazu kommen die prunkvollen Zurüstungen für die Arbeiten der Phalanx und die Einigkeit der Sozietäre. Die Aermeren wieder werden auf ihre neue Lage und die hohe Bestimmung ihrer Phalanx stolz sein und werden Alles aufbieten, der neuen Stellung würdig zu erscheinen. Unter solchen Verhältnissen werden Alle bemüht sein, die gerechte Vertheilung des Einkommens der Phalanx, wovon die Aufrechterhaltung der sozietären Ordnung abhängt, zu erleichtern. Man frage wohl, wie könne die Habsucht, die Liebe zum Gelde, die in der Phalanx fortbestehen solle, eine gerechte Vertheilung ermöglichen? aber man werde sehen, daß in den Serien der Triebe gerade die Liebe zum Gelde der Weg zur Tugend und zur Gerechtigkeit sei, so sehr die Moralisten die Liebe zum Gelde verurtheilten.“

Fourier explizirt dieses also: Nichts sei leichter in einem Unternehmen, als die Vertheilung des Ertrages nach dem Maßstab des eingeschossenen Kapitals, das sei eine Jedermann wohlbekannte, rein arithmetische Aufgabe; aber auch Arbeit und Talent gerecht zu honoriren und zufrieden zu stellen, das sei eine Kunst, welche die Zivilisirten nicht verständen, und so beklagten sie sich beständig über Ungerechtigkeit und Uebelwollen. Wolle die Phalanx freilich jedem Einzelnen, entsprechend seiner Theilarbeit, in vielleicht dreißig oder mehr Serien und hundert Gruppen seinen Antheil überweisen, so würde dies eine außerordentlich umständliche und schwer zu lösende Aufgabe sein. Der Mechanismus der Vertheilung sei nicht auf die Individuen, sondern auf die Serien berechnet, und diese werden nicht nach ihrer speziellen Leistung, sondern nach ihrer Bedeutung für die Phalanx in Betracht gezogen. Die Serien gelten als die einzelnen Assoziés, und kraft des Rangs, den sie in dem Tableau der Arbeiten einnehmen, wird die Dividende nach drei Klassen vertheilt: 1. nach der Nothwendigkeit, 2. der Nützlichkeit und 3. der Annehmlichkeit der Arbeit. Wird z. B. die Serie des Wiesenbaues als solche von hoher Wichtigkeit anerkannt, so erhält sie ein Loos erster Ordnung in der Klasse, in der sie figurirt. Die Erzeugung von Körnerfrüchten ist Arbeit erster Nothwendigkeit, aber die Serien darin bilden selbst wieder fünf Ordnungen, und so ist wahrscheinlich, daß die Erzeugung von Korn, Weizen, Mais etc. auf der Stufenleiter der Nothwendigkeiten erst in dritter Ordnung kommen.

„Die höchste Dividende fällt den unangenehmsten Arbeiten zu und diese erhalten in der Phalanx die kleinen Horden; darauf kommt die Fleischerei in Rücksicht auf die damit verbundenen widerlichen und übelriechenden Arbeiten. Die Pflege und Ernährung der Säuglinge und Kinder in den niedersten Lebensaltern wird für eine schwerere Arbeit anerkannt als die eigentliche Feldarbeit. Mediziner, Chirurgen und die groben Handarbeiter rangiren in der ersten Ordnung der Nothwendigkeit, werden also wie die Arbeit der kleinen Horden am höchsten belohnt. Die Arbeit wird nicht nach dem Werth bemessen, sondern nach dem Maß der Anziehung, das sie ausübt, je höher die Anziehung, also auch die Annehmlichkeit, je geringer die Belohnung.“