Interessant für die Geschichtsauffassung, welche die Schüler nach den Lehren ihres Meisters theilten, ist die Darlegung, die seitens eines Deutschen in dem Buche: „Abbruch und Neubau“ oder „Jetztzeit und Zukunft“ von Michael ***** gegeben wird. Der Verfasser erläutert dort die Fourier'sche Geschichts-Entwicklungstabelle, die wir auf Seite 240 und 241 dieser Schrift anführten und bei dem Interesse, das diese Erläuterung nach unserer Auffassung verdient, geben wir sie ausführlich wieder. Es heißt da:

„Der Adels-Feudalismus herrscht in der Kindheit der Zivilisation; die Sklaverei hat der Leibeigenschaft Platz gemacht; die Frau ist aus dem Gynäceum (Frauengemach) oder Harem herausgetreten und hat ihre bürgerlichen Rechte erlangt Mit der Verleihung der bürgerlichen Rechte an die Frau ist die Gesellschaft aus dem Zustand der Barbarei in die Zivilisation übergegangen.

„Diese Veränderung im Zustande einer Hälfte des Menschengeschlechts giebt den Sitten eine ganz neue Färbung, indem sie dieselben verfeinert und im hohen Grade das Gedeihen der Künste und Wissenschaften, der Dichtkunst und der Musik begünstigt.

„In der Periode der Barbarei ist die Herrschaft des Oberhauptes der Gesellschaft eine unumschränkte; in der ersten Phase der Zivilisation ist sie bereits getheilt, indem die Verbündung (Föderation) der großen Vasallen der königlichen Gewalt Schranken setzt.

„Nach und nach werden die arbeitenden, dem Betriebe der Gewerbe, Künste und Wissenschaften obliegenden Leibeigenen mächtig: Die Gemeinden erlangen Rechte und Privilegien; Munizipien, freie Städte erstehen. Sie erstehen aber nicht kraft eines willkürlichen Befreiungs-Ediktes; sie erstehen nicht, weil es dem Staatsoberhaupt beliebt hat, sie in's Leben zu rufen. Sie erstehen, weil sie sich bereits selbst emanzipirt haben, weil die schon erlangte Macht sie faktisch frei gemacht hat. Kommen solche Edikte vor der Zeit, so ist es gerade, als wären sie nicht da, und der Feudalismus bleibt zum deutlichen Beweise, daß Verfassungen bloße Chroniken vollendeter Thatsachen sind, daß sie die Geschichte der Fortschritte einer Nation schreiben, wenn ich mich so ausdrücken darf, nicht aber nothwendig sie hervorrufen.

„Mit der steigenden Aufklärung der früheren Leibeigenen, mit ihrem steigenden Reichthume, mit ihrem fortschreitenden Kunst- und Gewerbefleiße wächst auch ihre Macht in demselben Maße, in welchem das Feudal-Element geschwächt wird.

„Die alten Leibeigenen sind Bürger und Volk geworden. Bürger und Volk verbünden sich miteinander gegen den Feudalismus, und der Sieg ist ihnen gewiß.

„In diesem Stadium ihrer Entwicklung ist die Gesellschaft von steten Stürmen und Umwälzungen bedroht. Die Zähigkeit des Feudal-Elements kann das volksthümliche Element zu Gewaltthaten treiben, gegen welche die der Barbarei verschwinden. Die Kritik liegt mit den alten religiösen Anschauungen im Kampfe; die Philosophie stellt die Bedingungen des neuen Staats gegenüber dem alten auf.

„Mit der politischen Befreiung, mit der Entfesselung der Gewerbe und des Ackerbaues spielt das Repräsentativ-System der Gewalt gegenüber dieselbe Rolle, die früher die großen Vasallen gespielt hatten.

„Der Bürger braucht nun den Schutz des Ritters nicht länger: schon hat er ihn in der Person Don Quixote's moralisch getödtet. Der Bürger hat aber auch die Gleichheit vor dem Gesetz verkündet, und so folgen die Freiheits-Illusionen auf die Illusionen des Ritterthums. Die Freiheit ist noch nicht da, weil sie in der Verfassung steht; sie bleibt auf dem Papier, weil die Bedingungen, unter welchen sie wirklich in's Leben treten kann, noch nicht erfüllt sind.