„Unterdessen hat die Zivilisation ihren Höhepunkt erreicht, sie hat die Schifffahrt, überhaupt erleichterte Verbindungswege, Eisenbahnen, Kanäle u. s. w., sowie die Experimental-Chemie in's Leben gerufen, und nun kann sie, wenn ihr die Wissenschaft zu Hülfe kommt, zu einer höheren Periode aufsteigen, die wir, mit Fourier, Garantismus nennen wollen, da sie die Verwirklichung eines Systems von Garantien wäre, wovon die jetzige Gesellschaft einige bemerkenswerthe Keime aufzuweisen hat.“
Der Verfasser bezeichnet als solche mit Fourier: Die wissenschaftliche Einheit, die Quarantänen, das Assekuranzsystem, die Sparkassen etc.
„Mit der Experimental-Chemie tritt die große Industrie in's Leben; die kleine Industrie geht in der großen auf. Neue Verfahrungsarten verdrängen die alten, eine ganz neue industrielle Welt ist im Werden; Fabriken mit Hunderten und Tausenden von Arbeitern schießen wie Pilze aus dem Boden hervor und versetzen den in altherkömmlicher Weise betriebenen Gewerben den Todesstoß.
„Aber die Erfindung neuer Verfahrungsarten, sowie die Steigerung der Produktion genügen nicht: die Zivilisation hat auch den Beruf, diese Verfahrungsarten überall hin zu verbreiten und so die Möglichkeit der Erreichung einer höheren gesellschaftlichen Stufe anzubahnen. Daher die Erfindung der Schifffahrt, der Eisenbahnen, des Dampfbootes, kurz die Vervollkommnung der Verbindungsmittel überhaupt.
„Indessen hat die Zivilisation — als Entwicklungsphase der Menschheit betrachtet — in Folge eines inneren, in ihrem Wesen begründeten Zwiespalts die große Industrie nicht in's Leben zu rufen vermocht, ohne zu gleicher Zeit allgemeine Gebrechen zu erzeugen, die unter dem Titel Entwaldungen und Fiskalanleihen aufgeführt und eine nothwendige Folge der beiden vorangehenden Phasen sind. In der That fällt auch der Boden im Ganzen genommen immer mehr einer anarchischen Kultur anheim, je größer der Zwiespalt der Privatinteressen und des allgemeinen Interesses wird. Die Entwaldung der Anhöhen, welche die Ausmergelung der Berge und die Entblößung der Abhänge mit sich führt, ist der höchste Ausdruck des Uebelstandes, da diese Entwaldungen zur unausbleiblichen Folge haben, daß in der Vertheilung der Wasser nach und nach eine gänzliche Veränderung eintritt. Werden die Entwaldungen bis zum Uebermaß ausgedehnt, so wird am Ende selbst das Klima ernstlich Noth leiden: die schroffsten Uebergänge werden nichts Ungewöhnliches sein; heute eine afrikanische Hitze, morgen eine sibirische Kälte. Die Wissenschaft hat in der Person ihrer würdigsten Vertreter angefangen, auf die üblen klimatischen Folgen der planlosen Entwaldungen hinzudeuten. Zum deutlichen Beweise, daß die Atmosphäre für den Menschen ein wahres Ackerfeld ist, das er durch den Anbau entweder verbessern oder verschlechtern kann.
„Die Fiskalanleihen sind ein anderes Gebrechen der auf ihrem Höhepunkte angekommenen Zivilisation. Die Befreiung der Völker hat gewaltige Kriege nach sich gezogen; das Feudal-Element hat seine letzten Kräfte zusammengerafft, um das neue volksthümliche Element zu erdrücken. Daher der lästige Kriegsfuß, daher der fast ebenso lästige Friedensfuß. Die edelsten Kräfte der Nation werden in soldatischen Spielen vergeudet. Eine Menge anderer unproduktiver Ausgaben vergrößern das Uebel fortwährend, bis endlich das thurmartige Kartenhaus des Staatsschuldenwesens zusammenstürzt.“
Der Verfasser setzt nun weiter auseinander, wie die Charaktere des Höhepunktes der Zivilisation im Keime sowohl die Ursachen ihres Verfalles, als die Mittel zur Ersteigung einer höheren Stufe enthielten. Die Entwaldungen enthielten den Keim zum materiellen Verfall durch die damit verbundene Verschlechterung des Klimas; die Fiskalanleihen enthielten den Keim des politischen Verfalls, indem sie die Ausbildung des industriellen Feudalismus mächtig förderten. Ebenso könnten die neugeschaffenen Verbindungswege in den Händen von Aktiengesellschaften die Rolle einer Saugpumpe spielen, wie die Schifffahrtskunde das den Angelpunkt der dritten Phase bildende Seemonopol in's Leben rufen könne. Endlich gab die Chemie dem Betruge die Mittel an die Hand, alle Arten von Produkten zu fälschen, und der lügnerische Handel gewann so eine Ausdehnung, welche die ernstlichsten Besorgnisse einflößen mußte.
Zwar könne die nun beginnende absteigende Periode ein natürlicher Schritt des Fortschritts werden, aber dieser Weg sei eine Reihe von Klippen und Schändlichkeiten. Unterliege die Zivilisation auf ihrem Wege den ihr gegenübertretenden Einflüssen, so falle sie in eine niedere Periode zurück, um den alten Kampf von Neuem zu beginnen. Glücklicherweise sei das Leben der Menschheit ein vielfaches; falle eine Zivilisation, so sei bei den vielen Nationen und mancherlei Gesellschaften immer die Hoffnung da, daß eine derselben das Erbe der fallenden Gesellschaft übernehme.
Der zweite Theil der Periode, ihre absteigende Bewegung, sei dem ersten umgekehrt analog (verwandt), wie die Morgendämmerung und Abenddämmerung, die Kindheit und das Greisenalter der Menschen, der Anfang und das Ende jeder Bewegung sich einander analog seien, ohne identisch zu sein. Nach diesem aus der allgemeinen Formel der Bewegung abgeleiteten Grundsatze ließe sich erwarten, daß die Zivilisation mit einem Feudalismus enden werde, wie sie mit einem Feudalismus begonnen habe. Diese Voraussetzung erhalte durch die vor unseren Augen vor sich gehenden Thatsachen den Charakter einer mathematischen Wahrheit.
„Der steigende Reichthum des Bürgerthums hat den Adels-Feudalismus getödtet: Pergamente und Wappen haben aufgehört, die Herrschaft zu verleihen, und das Geld ist an ihre Stelle getreten. Wege zum Reichthum sind Industrie, Handel und Beamtenstellen. Der herrschende Geist wird demnach der kaufmännische und fiskalische sein. Er ist in der Tabelle als einfacher Keim der dritten Phase bezeichnet, weil er einen neuen Feudalismus, nämlich den industriellen, den wir auch Handels- oder Geldfeudalismus nennen können, im Keim enthält. Von nun an muß sich Alles dem neuen Prinzipe unterordnen. Die Parias der dritten und vierten Phase der Zivilisation werden daher auch nicht die Leibeigenen der ersten Phase, sondern die untersten Schichten der Gesellschaft bildenden Proletarier sein. Der Hunger und das Elend werden sie faktisch denjenigen überantworten, welche, Herren des Kapitals, auch die Werkzeuge der Arbeit in Händen haben.“