„Die große Industrie mit ihren Kapitalien, Maschinen und Spekulationen macht die kleine, mit mäßigen Geldmitteln betriebene, unmöglich. Der große Handel unterdrückt den kleinen, und diese Bewegung gestaltet sich immer großartiger, je mehr das Kapital durch glückliche Spekulationen oder durch Gründung von Aktiengesellschaften sich konzentrirt. In demselben Maße, wie das Kapital sich konzentrirt, wächst auch der Pauperismus und das Proletariat, und da die großen Kapitalien sich am liebsten in den großen Städten ansiedeln, so wird zuerst da die Fabrikation in größerem Maßstabe betrieben. Allmälig sammeln sich da Heere von Arbeitern, die von einem Tag zum andern leben und somit viel schlimmer daran sind als die Leibeigenen der ersten Periode. Diese Arbeiter-Heere sind für die Zivilisation das Schwert des Damokles. Die dritte Phase wird mindestens ebenso sehr von inneren Kämpfen und Bürgerkriegen bedroht als die zweite. Nur sind die nun ausbrechenden Revolutionen nicht länger politischer, sondern sozialer Natur; die Insurrektion nimmt einen industriellen Charakter an.“
„Der Handelsgeist und der mächtige Hebel der Kapitalien-Konzentration, welche den großen Kapitalisten das Monopol der Industrie nach und nach in die Hände spielt, sind die Elemente des See-Monopols oder Großhandels-Monopols, wodurch der Geist und die Bestrebungen der ganzen Phase angedeutet werden. Die Politik tritt in die Dienste des Monopols und erhält so eine ganz eigentümliche Färbung, bis sie endlich nur noch das kaufmännische Element vertritt. Diplomatie, Kriege, Kammern, Wissenschaft, Kunst, Alles wirft in unendlich verschiedenen Schattirungen den im Prisma des Merkantilismus gebrochenen Zeitgeist zurück. Alles ist käuflich; der Durst nach Gold hat die edlen Regungen erstickt, und der Egoismus zeigt sich in seiner ganzen Scheußlichkeit.
„Der Grundsatz der freien Konkurrenz, das laisser faire laisser passer, erzeugt zugleich den anarchischen Handel, der unter dem Titel „Gegengewicht“ in der Tabelle aufgeführt ist. Da die großen Handelsoperationen von dem großen Kapital monopolisirt sind, so bleibt dem kleinen Kapital nur noch der Kleinhandel. In Folge des herrschenden merkantilischen Geistes wirft er sich auch auf denselben mit einer wahren Wuth — ein Verhältniß, das sich in der großen Menge schmarotzerischer Zwischenhändler und Mäkler am Besten zu erkennen giebt. Je heftiger der Konkurrenzkrieg dieser Zwischenhändler entbrennt, um so großartiger gestalten sich die Betrügereien und Fälschungen jeder Art, wodurch die Gesellschaft systematisch gebrandschatzt wird. Dieser Anarchie allein aber verdankt der Kleinhandel seine Erhaltung; denn nur sie bildet noch einen Damm gegen die verheerende Macht des Kapitals. Sie ist also ein natürliches Gegengewicht des großen Kapitals. Von dem Tage an, wo das große Kapital an den Hauptplätzen große Niederlagen für den Detailverkauf gründet, wie dies schon jetzt mancher Orten geschieht, von diesem Tage an muß der kleine und mittlere Handel das Gewehr strecken. Von dem Tage an wird aber auch die Anarchie im Handel und Wandel aufhören, und die Regelung des Handels wird immer leichter werden, je deutlicher die Charaktere des industriellen Feudalismus hervortreten.
„Wie ließe sich der Ton der dritten Phase besser bezeichnen, als mit dem Ausdruck „ökonomische Illusionen“? Die politische Oekonomie, ein Erzeugniß des merkantilen Geistes, verhält sich zu der dritten Phase wie die Poesie der Ritterzeit zu der ersten, wie die philosophische Ideologie und die liberale Dialektik zur zweiten. Das Ritterthum hat der Liberalismus unter dem Namen des Donquixotismus zu Grabe getragen, und nun ist der Oekonomismus auf dem Wege, den Liberalismus durch die Politik der materiellen Interessen zu tödten, eine Politik, die den reinen, uneigennützigen Liberalismus bereits in einem ziemlich lächerlichen Lichte erscheinen läßt.“
„Der industrielle Feudalismus wäre eine vollendete Thatsache, sobald das große Kapital nicht allein die Fabrikation und den Handel, sondern auch den Grund und Boden an sich gerissen haben würde.
„Nun aber wird die steigende Handels-Anarchie mit ihren zahllosen Betrügereien, Bankerotten und Fälschungen nicht allein zur Folge haben, daß die Lage des kleinen Gewerbs- und Handelsmannes immer kritischer wird, sondern es wird sie auch die öffentliche Stimmung nachgerade so energisch verdammen, daß das große Kapital darin eine Ermunterung finden wird, nun auch den Kleinhandel zu absorbiren. Und so wird sich dann dieser gewaltsam rückwirkende Geist politisch dadurch bethätigen, daß er Meisterschaften in bestimmter Anzahl und privilegirte Körperschaften in's Leben ruft.
„Die Leihhäuser oder Leihkassen für Landwirthe haben zum Zweck, dem bedrängten Ackerbau zu Hülfe zu kommen. Während die Kapitalien der Spekulation und den Banken zuströmen, leidet der Ackerbau an solchen Noth, so daß er dem Wucher in die Hände fällt. Schlechte Ernten, eine schlechte Bewirthschaftung des zerstückelten Grundbesitzes und ähnliche Ursachen werden das Uebrige thun, bis endlich ein großer Theil des Grund und Bodens den Leihkassen anheimfällt. So wird der in Atome zerfallene Grundbesitz sich wieder zusammenfügen; der kleine Besitz wird vom großen verschlungen werden, wie die Handwerker von den Fabriken, wie das kleine Kapital von dem großen.
„Während alles dies vor sich geht, befindet sich die Gesellschaft in einer wahrhaft fürchterlichen Lage. Nichts als Krisen und Revolutionen. Der Ackerbau wie die Fabrikindustrie ist nur noch ein unermeßliches industrielles Zuchthaus, ein ungeheures Lager; die frühere individuelle Leibeigenschaft ist eine kollektive geworden. Die neuen Leibeigenen werden von Zeit zu Zeit aus ihren Bagnos stürmen und ein Spartakus wird sie führen.
„Der neue Adel aber, der Geldadel, wird neben der Regierungsgewalt eine eigene Gewalt bilden und so für die vierte Phase das sein, was der Feudaladel für die erste war. Und gleichwie die nationale Einheit erst dann begründet werden konnte, als das monarchische Element stark genug geworden war, um das Feudalelement zu zügeln und zu leiten, ebenso wird auch hier die Gesellschaft nicht eher zum Garantismus sich erheben, als bis die Regierung das industrielle Element zu lenken wissen wird.
„Uebrigens keine Burgen, die zerstört, keine hochmütigen Vasallen, die geköpft oder gemeuchelt werden müßten. Die Aufgabe der Regierung wird darin bestehen, daß sie die Rolle einer Vermittlerin zwischen den einander feindselig gegenüberstehenden Interessen übernimmt, daß sie den Waarenaustausch regulirt, die Einheit der Maße, Gewichte u. s. w. herstellt, mit einem Wort, daß sie in sämmtlichen industriellen und kommerziellen Verhältnissen die nöthig gewordenen Garantien herstellt. Dann aber ist die Zivilisation, wie sie in der Tabelle geschildert worden, schon überholt.