Die Kategorien, in sprachliches Gewand gekleidet, sprachlich-begrifflichem Denken angepaßt – nichts anderes ist die Logik.

Ist damit auch einerseits gegeben, daß ihre Macht eine abgeleitete, ihre Zuverlässigkeit eine geringere ist als die der direkten Kategorien, und daß größere Vorsicht bei ihrer Anwendung geboten ist, um Fehler zu vermeiden – wer kennt nicht logische Schlußreihen, z. B. juristische oder philosophische, die ihren Urhebern vollkommen bündig und gegen jeden Angriff gesichert erschienen sind und doch als fehlerhaft sich erwiesen haben –, so ist damit doch auch anderseits die ungeheure Bedeutung ausgesprochen, die ihr als Vertreterin der ordnenden Prinzipien in dem unser Leben beherrschenden Gebiete des sprachlichen Denkens zukommt. Ja man kann sagen, daß, wie das Denken erst in seiner mittelbaren, sprachlichen Form seine volle Macht erreicht hat, so auch seine ordnenden Kräfte in der Logik.

Für das Verständnis aber des Denkens ist damit erreicht – daß eine völlig rätselhafte, scheinbar seine innerste Natur ausmachende Potenz als ein Beziehungskomplex zwischen chemischen Vorgängen begriffen ist!

Haben wir so die Ordnung nicht nur im vorstellenden, sondern auch im begrifflichen Denken als wesentlich aus der Außenwelt herrührend erkannt, so müssen wir, ehe wir dies Kapitel schließen, uns doch noch vergewissern, ob nicht die Innenwelt, d. h. das scheinbar so formlos verlaufende chemische Kräftespiel selbst, uns gewisse Ordnungskräfte zu liefern vermag. Wir haben bereits gesehen, daß die Nervenprozesse nach allgemeinem physikalischem Gesetz die Bahnen geringsten Widerstandes wählen, und daß daraus gewisse Gesetzmäßigkeiten in der Assoziation und im Denken sich ergeben. Dabei ist es besonders ein Fall, der, sich immer wiederholend, größte Bedeutung erlangt.

Wenn die Vorstellung eines wünschenswerten Zustandes, eines zu erstrebenden Zieles (durch Assoziationen irgend welcher Art) in uns auftaucht, so suchen wir Mittel, sie zu verwirklichen, d. h. wir suchen die Vorstellungen unseres gegenwärtigen Zustandes, von dem wir ja ausgehen müssen, mit jener auf möglichst kurzem Wege zu verbinden, anders ausgedrückt: die gleichzeitigen Erregungen der Bahnfiguren einerseits des Zieles, anderseits des Ausgangspunktes verbinden sich durch Mittelfiguren, die den geringsten Bahnwiderstand bieten.

So wirkt die Zielvorstellung, der Zweckbegriff mittels des Gesetzes vom geringsten Widerstande ordnend auf unser Denken. Und da alles Denken Handlungen zum schließlichen Ziel und Zweck hat, so ist dieser innere Ordnungsfaktor von größter, unausgesetzter Wirksamkeit.

Müssen wir ihn also nicht den drei aus der Außenwelt stammenden als vierte Kategorie zuordnen?

Er unterscheidet sich jedenfalls wesentlich von ihnen. Anders als die Ursachevorstellung, die zwar aus der Beziehung innerer zu äußeren Vorgängen gewonnen ist, aber durch die Außenwelt allein Form und Kraft und Präzision erhalten hat, ist der Zweckbegriff auf innere Vorgänge beschränkt geblieben. Denn alle energetischen Vorgänge sind ohne ihn, mit Hilfe der anderen drei Kategorien allein, erklärbar. Es fehlt ihm deshalb gänzlich die diesen eigene messende Kraft, aus welchem Fehlen man auch umgekehrt auf sein Nichtvorkommen im äußeren Geschehen schließen kann. Seine herrschende Stellung aber im begrifflichen Denken und seine enge Beziehung zu den unsere Zielvorstellungen bestimmenden Gefühlen – gilt doch zwecklos und wertlos fast als gleichbedeutend – machen es verständlich, daß man bestrebt war, den Zweckbegriff auch in der Außenwelt zu finden, und daß um seine Geltung in dieser, d. h. um die teleologische Weltanschauung, ein hartnäckiger Kampf seit der Zeit geführt wird, wo man angefangen hat, mißtrauisch gegen Worte zu werden. – Wir erkennen demnach in der Zweckvorstellung eine ordnende Kraft von vielleicht nicht geringerer Stärke als die der drei Kategorien, aber von anderer Art, weil lediglich aus dem inneren physischen Geschehen statt aus dem äußeren stammend.

Hiermit will ich die Gegenüberstellung des vorstellenden und des begrifflichen Denkens beschließen.

Sie zeigt uns ein Bild, das diese beiden Formen unseres Denkens in weit verschiedeneren und markierteren Umrissen erkennen läßt, als wir gewohnt sind, sie zu sehen. Es war vielleicht nicht uninteressant zu sehen, wie weit die von uns stets gemeinsam gehandhabten Denkformen unter dem physiologischen Gesichtspunkt auseinanderrücken.