Wohlbehalten langten die Reisenden in Carachi, dem Hafenplatz an den vielverzweigten Mündungen des Indus, an, und Mr. Kennedys hohe Stellung verschaffte ihnen Aufnahme in dem vornehmen Sind-Klub, wo Verpflegung und Wohnung nicht das geringste zu wünschen übrig ließen. Der Klub war von seinen regelmäßigen Besuchern fast ganz verlassen, da außer den Offizieren auch alle irgend entbehrlichen Beamten zur Armee abgegangen waren. Der Familie Kennedy aber stand ebensowenig wie Edith und Heideck der Sinn nach interessanter Gesellschaft. Sie alle hatten jetzt keinen anderen Wunsch mehr, als den, das Land so schnell als möglich zu verlassen und den gegenwärtigen, peinlichen Zustand beendet zu sehen. Auf Grund der bei der Schiffsagentur eingezogenen Erkundigungen hatten sie beschlossen, mit einem Dampfer der British-India-Gesellschaft nach Bombay zu fahren und von dort mit der ‚Caledonia‘, dem besten Schiffe der Peninsular- und Oriental-Linie, nach Europa zu reisen.
Am Nachmittag vor der Einschiffung mietete Heideck einen bequemen kleinen Einspänner und fuhr mit Edith zur Napier-Mole, wo man ihnen im Bootshause des Sind-Klub bereitwillig ein mit vier Laskaris bemanntes, elegantes Segelboot zur Verfügung stellte. Mit ihm fuhren sie in dem durch drei mächtige Forts geschützten Hafen bis über Manora Point, die äußerste Spitze der befestigten Mole, in die arabische See hinaus ....
„Wahrlich, es ist schwer, dies wunderbare Land zu verlassen,“ sagte Heideck ernst. „Es ist schwer, für immer Abschied zu nehmen von dieser strahlenden Sonne, diesem Glanz des Meeres, diesen mächtigen Werken der Menschenhand, die in ein natürliches Paradies den Luxus und das Behagen einer raffinierten Kultur gebracht haben. Nie habe ich den Schmerz des Mr. Kennedy besser verstanden, als in diesem Augenblick! Und ich kann ihm die Bitterkeit nachfühlen, mit der er sich in seinem Zimmer verschließt, um nichts mehr von all dieser lockenden und prangenden Herrlichkeit zu sehen.“
Edith hatte sich in seinen Arm geschmiegt, und indem sie ihren Blick liebevoll zu ihm aufschlug, hatte sie keine andere Erwiderung als die:
„Ich sehe die Welt nur, wie sie sich in deinen Augen spiegelt. Und da ist sie für mich immer von derselben Schönheit.“
[XXII.]
Das von Carachi nach Bombay gehende Dampfschiff hatte gegen zwanzig Offiziere und eine größere Anzahl von Unteroffizieren und Mannschaften an Bord, die in den ersten Kämpfen an der Grenze verwundet worden waren. Ihr Anblick war nicht danach angetan, die düstere Stimmung der englischen Reisenden zu verbessern, trotzdem diese drei Tage lang bei herrlichstem Wetter in der strahlend blauen See an der mit Naturschönheiten so überreich ausgestatteten indischen Westküste dahinfuhren.