[XXV.]

Ein rauher Nordwind fegte über die Insel Walcheren und die Mündung der Wester Schelde hin. Zu leichten Wellen kräuselte er das Wasser des breiten Stromes, der in der Abenddämmerung wie ein uferloses Meer erschien. Nur der Kundige wußte, daß die Leuchtfeuer bei Vlissingen zur Rechten und bei Fort Frederik Hendrik zur Linken mit ihren blitzenden Lichtern die Grenzen jener weiten Einfahrt bezeichneten, die im Jahre 1809, als Holland unter der Regierung Ludwig Bonapartes stand, eine große englische Flotte zum Angriff auf Vlissingen und zur Einnahme dieser Festung in die Schelde eingelassen hatte.

In der Mitte zwischen den beiden leuchtenden Punkten, die etwa fünf Kilometer von einander entfernt waren, schaukelte sich der hier vor Anker liegende deutsche Kreuzer ‚Gefion‘, und auf seinem Verdeck stand Heideck, der nach seiner Rückkehr unter Beförderung zum Major mit dem Nachrichtendienst für das holländische Küstengebiet betraut worden war.

Er hatte am Nachmittage ein Fahrzeug in die Schelde einlaufen sehen, das ihm vom Lootsen als eine der Fischersmacks bezeichnet worden war, die zwischen den Shetlandinseln und den holländischen Häfen verkehren. Und er hatte dem Kapitän der ‚Gefion‘ seinen Verdacht mitgeteilt, daß diese Smack noch eine andere Bestimmung, als die des Handels mit Heringen haben könnte. Das kleine Schiff hatte drüben am linken Ufer zwischen den Dörfern Breskens und Cadzand angelegt, und Heideck beschloß, sich zu ihm hinüber rudern zu lassen.

Sechs Seesoldaten und vier Matrosen, unter Führung eines Maaten, bemannten ein Boot der ‚Gefion‘, und die Fahrt ging durch das bewegte Wasser nach dem linken Ufer, dem verdächtigen Schiffe zu. Im Kampfe mit der Strömung und dem Winde, der heulend vom Meere kam, bedurfte es für die Ruderer wohl fast einer halben Stunde harter Arbeit, ehe der dunkle Rumpf des Fischerbootes in deutlichen Umrissen vor ihnen auftauchte. Vom Bord herab fragte eine rauhe Stimme nach ihrem Begehr.

„Dienst Seiner Majestät!“ rief Heideck zurück, und als das Boot angelegt hatte, warf er seinen Mantel ab, um sich behende auf das Deck hinauf zu schwingen. Drei Männer in der dunklen Wollentracht und mit den geteerten Hüten der Küstenfischer traten auf ihn zu und antworteten auf seine Frage nach dem Patron in einem schwerverständlichen Gemisch von holländisch und deutsch, daß der Patron an Land gegangen wäre.

„Sein Name?“

„Maaning Brandelaar.“

„Und wie heißt dies Fahrzeug?“