Heideck ließ die Seesoldaten auf Deck steigen und stellte sie als Wache auf, damit niemand das Schiff verließe, bevor der Kapitän zurück kam. Dann befahl er eine Laterne anzuzünden, mit der er den Raum unter Deck besichtigen wollte. Es dauerte recht lange, bis die Laterne bereit war, und sie brannte so trübe, daß Heideck vorzog, die elektrische Lampe spielen zu lassen, die er ebenso wie den Revolver stets bei sich führte. Er kletterte die Treppe in den Schiffsraum hinab und fand, daß der Geruch von Pökelheringen, den er schon auf Deck wahrgenommen hatte, in der vorhandenen Ladung seine genügende Ursache hatte. In der kleinen Kajüte saßen zwei Männer beim Grog und rauchten aus kleinen Tonpfeifen. Heideck begrüßte sie freundlich und setzte sich zu ihnen. Sie sprachen englisch mit breitem schottischen Akzent und mit vielen Dialektausdrücken, die Heideck nicht verstand. Sie erklärten von der Insel Bressay zu stammen. Aus ihrer Unterhaltung entnahm Heideck, daß die Smack einem Reeder in Rotterdam gehörte, dessen Namen sie aber nicht zu kennen schienen oder nicht aussprechen konnten. Ueberhaupt waren die Leute sehr vorsichtig und zurückhaltend in ihren Angaben. Heideck wartete eine halbe, eine ganze Stunde. Der Kapitän kam immer noch nicht wieder. Er verspürte Hunger, und indem er ein Geldstück auf den Tisch warf, fragte er, ob man ihm nicht etwas zu essen geben könne.

Die Fischer öffneten den Schrank an der Kajütenwand und holten ein großes Stück Schinken, ein halbes Schwarzbrot sowie Messer und Gabel hervor. Heideck sah, daß in dem Schrank neben Gläsern und Flaschen noch zwei kleine Brote von hellerer Farbe lagen. „Gebt mir von dem Weizenbrot,“ sagte er. Aber der Mann, der die Speisen hervorgeholt hatte, murmelte etwas, das Heideck nicht verstand, und verschloß den Schrank wieder, ohne den Wunsch des Offiziers zu erfüllen. Sein Benehmen mußte Heideck auffällig erscheinen. Er hatte wirklich nur deshalb von dem hellen Brot verlangt, weil das Schwarzbrot alt, trocken und ungemein grob war, nun aber drängte sich ihm der Verdacht auf, daß sich hinter der unhöflichen Mißachtung seiner Bitte irgend eine besondere Absicht verberge.

„Ihr habt mich, wie es scheint, nicht verstanden,“ sagte er, „ich möchte das Weizenbrot haben.“

„Das Weizenbrot gehört dem Schiffer,“ wurde ihm erwidert, „das dürfen wir nicht nehmen.“

„Ich werde es bezahlen. Euer Kapitän wird sicherlich nichts dagegen einzuwenden haben.“

Die Männer taten als hörten sie nicht.

Jetzt aber wiederholte Heideck in strengem und gebieterischem Tone sein Verlangen. Die Männer sahen einander an, dann ging der eine zum Schrank und legte das eine helle Brot auf den Tisch. Heideck schnitt es an und fand, daß es recht gut war. Er aß mit Appetit davon und sann darüber nach, warum die Leute zuerst so ungefällig gewesen wären. Als er das Brot noch einmal zur Hand nahm, um sich ein zweites Stück abzuschneiden, fiel ihm auf, daß es ungewöhnlich schwer war. Er schnitt in die Mitte hinein und als er merkte, daß die Messerklinge auf etwas hartes stieß, brach er das Brot auseinander. — Da schimmerte ihm Gold entgegen. Er untersuchte weiter und zog nacheinander dreißig goldene Münzen mit dem Bildnis der Königin von England hervor. Dreißig Pfund Sterling waren in dem Brot versteckt gewesen.

„Ihr habt da ein recht nahrhaftes Brot,“ sagte er, die Leute mit scharfem Blick ansehend.

Die aber zuckten die Achseln.