Während seltsamerweise weder Ediths gellende Hilferufe, noch der Knall des Schusses einen von den Dienstboten herbeizurufen vermocht hatten, tauchten jetzt, da die Gefahr vorüber war, plötzlich ein paar verstörte braune Gesichter in der Türöffnung auf. Und die energische Aufforderung, die Heideck in englischer Sprache an die noch ängstlich zaudernde Zofe richtete, brachte sie zum Bewußtsein ihrer Pflicht zurück.

Mit ihrer Hilfe trug Heideck die Ohnmächtige zu einer Chaiselongue, und da er auf dem Tischchen eines der grünen Fläschchen mit Lavendelwasser liegen sah, die in keinem englischen Hause fehlen, bediente er sich des starkduftenden Reizmittels, so gut er es verstand, während die Inderin die Fußsohlen ihrer jungen Herrin rieb und allerlei andere, unter den Eingeborenen gebräuchliche Handgriffe anwendete, um die Bewußtlose ins Leben zurückzurufen.

Nach kurzer Zeit schon schlug Edith unter diesen vereinten Bemühungen die Augen auf, und nachdem sie mit wirrem, verständnislosen Blick umhergesehen, kehrte ihr in dem Augenblick, wo sie den auf dem Boden ausgestreckten Körper des von Heideck erschossenen Inders erblickte, mit voller Klarheit die Erinnerung an das Geschehene zurück.

Den letzten Rest der lähmenden Schwäche mit der Energie eines festen Willens abschüttelnd, sprang sie auf.

„Sie waren es, der mich gerettet hat, Mr. Heideck — Sie haben Ihr Leben für mich eingesetzt — wie soll ich Ihnen danken!“

„Allein damit, gnädige Frau, daß Sie mir erlauben, Sie unverzüglich in das Haus des Obersten zu geleiten, unter dessen Schutz Sie sich notwendig bis zur Rückkehr Ihres Gatten stellen müssen. Von wem auch immer dieser verbrecherische Anschlag ausgegangen sein mag, — ob diese Halunken gemeine Diebe waren oder ob sie in irgend jemandes Auftrage gehandelt, jedenfalls fühle ich mich als einzelner Mann nicht stark genug, die Verantwortung für Ihre Sicherheit zu übernehmen.“

„Sie haben recht,“ erwiderte Edith fügsam. „Ich werde mich sogleich bereit machen, mit Ihnen zu gehen. — Aber dieser Mann da —“ fügte sie erschauernd hinzu, — „ist er tot? Oder kann man noch etwas für ihn tun?“

Heideck neigte sich über den Regungslosen herab, und ein einziger Blick in das fahlbraune, verzerrte Antlitz mit den weitoffenen, stieren, verglasten Augen ersparte ihm jede weitere Untersuchung.

„Er hat empfangen, was ihm gebührte,“ sagte er, „und für Ihr hochherziges Mitleid gibt es hier nichts mehr zu tun. Ist denn aber gar kein männliches Wesen hier im Hause, das mir behilflich sein könnte, den Mann beiseite zu schaffen?“