„Alle sind fort,“ sagte die Zofe. „Der Haushofmeister hat sie aufgefordert, sich mit ihm in der Stadt einen vergnügten Abend zu machen.“
Heideck und Edith wechselten einen bedeutsamen Blick. Keines von ihnen hegte jetzt auch nur noch den geringsten Zweifel, daß es sich bei dem tollkühnen Ueberfall um ein Komplott gehandelt hatte, an welchem auch die indische Dienerschaft beteiligt war. Und deutlich genug erriet jedes von ihnen die Vermutungen des anderen hinsichtlich der Urheber des schändlichen Anschlags.
Aber sie sprachen sich nicht darüber aus. Gerade weil sie sich durch die Erlebnisse dieser Nacht so nahe gekommen waren, wie das Schicksal zwei junge Menschenkinder verschiedenen Geschlechts nur immer zueinander führen kann, hegten sie beide dieselbe, fast instinktive Scheu vor dem ersten Wort, das vielleicht auch die letzte trennende Schranke zwischen ihnen niedergerissen hätte. Und Kapitän Irwins Name wurde nicht zwischen ihnen genannt.
[VII.]
Es war um die Mittagszeit, als Kapitän Irwin aus dem Bungalo des Obersten trat und sich seinem Hause zuwandte. Die Unterhaltung mit seinem Vorgesetzten mußte für ihn sehr bedeutungsvoll und wenig erfreulich gewesen sein. Denn er war sehr bleich. Auf seinen Wangen brannten rote Flecken und seine tiefliegenden Augen blickten finster, wie in mühsam beherrschtem Zorn.
Kurze Zeit darauf wurde das Pferd des Obersten vorgeführt und gleichzeitig ritt ein Zug Lancers unter dem Kommando eines Wachtmeisters in den Hof ein. Der Kommandierende erschien in großer Uniform und setzte sich an die Spitze des Zuges, der im Galopp dem Schlosse des Maharadjah zusprengte.
Unmittelbar vor dem Palast machten die Reiter Halt, und in befehlendem Ton rief Oberst Baird den am Eingangstor lungernden Dienern zu, daß er den Maharadjah zu sprechen wünsche.