„Auch das hat man Ihnen also nicht gemeldet, daß derjenige von den Einbrechern, der tot auf dem Platze geblieben ist, einer Ihrer Diener war?“
„Nein. Ich habe sehr viele Diener, und ich bin nicht verantwortlich für das, was sie tun, wenn es nicht in meinem Auftrage geschah.“
„Gerade das aber ist es, was ich vermute. Sie werden mir schwerlich zumuten zu glauben, daß einer Ihrer Diener einen derartigen Ueberfall auf eigene Hand gewagt haben sollte. Die anderen Schurken sind zwar entkommen, aber einer von ihnen hat einen Säbel zurücklassen müssen, der einem Manne Ihrer Leibgarde angehörte.“
Der Maharadjah kämpfte augenscheinlich einen schweren Kampf, seine Fassung zu bewahren. Indem er seine Wut hinter einem verächtlichen Lächeln zu verbergen suchte, sagte er:
„Es ist unter meiner Würde, Oberst, Ihnen darauf zu antworten.“
„Von irgend einer Würde, die Sie berechtigte, eine von dem britischen Residenten verlangte Auskunft zu verweigern, kann nicht die Rede sein. Sie haben es nicht mit einem einfachen englischen Offizier, sondern mit dem Vertreter Seiner Majestät des indischen Kaisers zu tun. Wie es meine Pflicht ist, Sie zu fragen, so ist es die Ihre, mir zu antworten. Eine Weigerung könnte leicht die schwersten Folgen für Eure Hoheit haben. Denn die Regierungskommissare, die man auf meinen Bericht hin von Kalkutta nach Chanidigot entsenden würde, dürften sich von Ihrer Würde sehr wenig imponieren lassen.“
Wieder biß der Inder die Zähne zusammen, und ein wilder, leidenschaftlicher Haß glänzte in seinen Augen. Aber er mochte zu gleicher Zeit daran denken, daß er nicht der erste unter den indischen Fürsten gewesen wäre, den man wegen eines geringfügigen Uebergriffes auch um den letzten Rest seiner Scheinherrschaft gebracht hätte. Darum zwang er sich zu einer äußerlich ruhigen Entgegnung.
„Wenn Sie es für nötig halten, nach Kalkutta zu berichten, so kann ich Sie daran nicht hindern. Aber ich denke, der Vizekönig wird sich besinnen, einen treuen Alliierten Englands gerade in dem Augenblick zu beleidigen, wo er ihn um die Entsendung einer Hilfstruppe angeht.“
„Da Sie dieses Umstandes einmal erwähnen — wer ist zum Kommandeur der Truppe bestimmt?“
„Mein Vetter Tasatat Radjah.“