Mit düster funkelnden Augen blickte ihm der Maharadjah nach. Dann befahl er dem Diener, Mohammed Bhawon, seinen Leibarzt, zu rufen. Und als wenige Minuten später das ganz in weißen Musselin gekleidete magere, verhutzelte Männchen mit dem faltigen braunen Gesicht und den stechenden schwarzen Augen zu ihm trat, winkte er ihm gnädig zu, sich auf dem goldgestickten Polster an seiner Seite niederzulassen.
Eine zweite gebieterische Handbewegung wies den Diener hinaus. Und indem er seinen Arm vertraulich um den Nacken des Arztes legte, sprach der Maharadjah lange und angelegentlich mit behutsam gedämpfter Stimme auf ihn ein — freundlich und schmeichelnd, wie man zu jemandem redet, von dem man außerordentliches verlangt — aber noch immer mit dem Glitzern einer leidenschaftlichen Wut und eines tödlichen Hasses in den Augen.
[VIII.]
Vergebens wartete Heideck am Tage nach dem nächtlichen Ueberfall auf eine Botschaft von Edith, die ihm die Möglichkeit gewährt hätte, sie wiederzusehen. Er war darauf gefaßt, von Irwin wegen seines abendlichen Besuchs in der Villa zur Rede gestellt zu werden. Aber der Kapitän ließ sich nicht bei ihm blicken.
Am frühen Morgen schon war Heideck zu dem Obersten beschieden worden, um über den Hergang des nächtlichen Ereignisses Bericht zu erstatten. Die Vernehmung war sehr kurz gewesen, und Heideck hatte den Eindruck, daß der Oberst in seinen Fragen eine eigentümliche Zurückhaltung beobachtete. Offenbar wünschte er in dem Deutschen die Vorstellung zu erwecken, daß er selbst fest überzeugt sei, man habe es nur mit verwegenen Einbrechern zu tun, die auf ihre eigene Faust gehandelt hätten. Ganz beiläufig nur erwähnte er, daß der Tote als ein Mann von der Leibwache des Maharadjah rekognosziert worden sei. Als Heideck fragte, ob ihm aus der Tötung des Mannes von seiten der Zivilbehörden noch Weiterungen erwachsen könnten, beruhigte ihn der Oberst durch ein entschiedenes Nein.
„Sie haben in berechtigter Abwehr gehandelt, als Sie den Burschen niederschossen, und ich verbürge mich dafür, daß Sie weder von den englischen Behörden noch von dem Maharadjah deshalb behelligt werden sollen.“