Auf seine Erkundigung nach Mrs. Irwins Befinden wurde ihm ebenfalls eine beruhigende Antwort gegeben.

„Die Dame erfreut sich glücklicherweise des besten Wohlseins,“ sagte der Oberst. „Sie ist eben eine Frau von bewundernswürdiger Seelenstärke.“

Auch bis zum nächsten Morgen hatte Kapitän Irwin noch nichts von sich hören lassen. Heideck und Fürst Tschadschawadse saßen in ihrem Bungalo beim Frühstück und plauderten über die wichtigen Nachrichten, welche die eben eingetroffenen Zeitungen gebracht hatten.

Die ‚India Times‘ schrieb, daß Rußland durch seinen Einmarsch in Afghanistan die Londoner Verträge verletzt habe und daß England dadurch ebenfalls berechtigt und genötigt würde, eine Armee nach Afghanistan zu senden. Es sei zu hoffen, daß friedliche Verhandlungen den drohenden Konflikt lösen würden. Wenn aber die russische Armee nicht nach Turkestan zurückkehre, würde England sich ebenfalls zu energischen Maßregeln veranlaßt sehen. Eine englische Truppenmacht würde Afghanistan besetzen und den Emir zwingen, seinen Bündnisverpflichtungen gegen die indische Regierung nachzukommen. Auf alle Fälle würde eine starke Flotte in den Häfen von Plymouth und Portsmouth ausgerüstet, um im gegebenen Moment in die Ostsee zu gehen.

„Bezeichnender als das,“ sagte Heideck, „ist die Tatsache, daß die zweieinhalbprozentigen Konsols an der Londoner Börse gestern einen Kurs von neunzig notierten, während sie vor acht Tagen auf sechsundneunzig standen. Die Engländer scheuen sich, offen auszusprechen, daß der Krieg tatsächlich begonnen hat.“

„Ein Krieg ohne Kriegserklärung,“ stimmte der Fürst zu. „Jedenfalls müssen wir uns beeilen, über die Grenze zu kommen. Ich möchte nicht gern den Augenblick versäumen, wo man in Afghanistan losschlägt.“

„Das kann ich Ihnen nachfühlen. Aber es dürfte alsdann in der Tat keine Zeit zu verlieren sein.“

„Wenn Sie damit einverstanden sind, reisen wir noch heute ab. Dann sind wir um Mitternacht in Mooltan und morgen Mittag in Attock. Morgen Abend können wir in Peschawar eintreffen. Dort lassen wir uns die Erlaubnisscheine zum Ueberschreiten des Kaiberpasses geben. Je früher wir durch den Paß kommen, desto besser, denn später dürfte es Schwierigkeiten haben, die Erlaubnis zu erlangen.“

„Sie führen doch nichts Verdächtiges bei sich — Karten, Zeichnungen oder dergleichen?“