Der Russe schüttelte lächelnd den Kopf, „Nichts als Murrays Handbuch, den unentbehrlichen Begleiter jedes Reisenden. Ich würde mich wohl hüten, etwas anderes mitzunehmen. Für Sie liegt die Sache ja weniger ängstlich.“
„Weshalb für mich?“
„Weil Sie ein Deutscher sind. Mit Deutschland ist man nicht im Kriege. Ich aber würde sofort in Gefahr sein, für einen Spion gehalten zu werden.“
„Uebrigens glaube ich, daß wir beide nichts zu fürchten hätten, selbst wenn man uns als Offiziere erkennen würde. Es dürften in diesem Augenblick mindestens ebensoviele englische Offiziere auf russischem Gebiet als russische hier in Indien sein.“
„Solange der Krieg noch nicht erklärt ist, pflegt man mit den Offizieren fremder Mächte allerdings höflich zu verfahren. Aber unter den obwaltenden Umständen möchte ich es doch nicht gern darauf ankommen lassen. Die Möglichkeit, standrechtlich erschossen zu werden, läge nicht allzu fern. Besser schon, ich suche die Maske eines harmlosen Kaufmanns festzuhalten und beeile mich, aus dem Machtbereich unserer Gegner zu kommen. Was ich an Aufzeichnungen, Karten und Festungsplänen in meinem Gedächtnis bewahre, könnte man ja glücklicherweise selbst mit Röntgenstrahlen nicht entdecken. Aber Sie haben sich noch gar nicht geäußert, Herr Kamerad — sind Sie bereit, mich heute zu begleiten?“
„Ich bitte Sie, nicht auf mich zu rechnen. Ich möchte vorläufig noch bleiben.“
Und da er das Erstaunen des Russen bemerkte, fuhr er fort:
„Sie sagten selbst, daß ich mich als Deutscher in einer weniger gefährlichen Lage befinde. Selbst wenn man mich als Offizier erkennt, kann man mir kaum ernstliche Unannehmlichkeiten bereiten. Am wenigsten hier, wo nichts auszuspionieren wäre.“
Daß es lediglich der Gedanke an Mrs. Irwin war, der die plötzliche Aenderung seiner Entschlüsse herbeigeführt hatte, verriet er nicht. Und der Russe zerbrach sich über seine Beweggründe allem Anschein nach nicht weiter den Kopf.