Da schlug der Ton menschlicher Stimmen an sein Ohr. Er sah zwei Männer, die seine Nähe nicht ahnten, in lebhaftem Gespräch auf dem unfern vorüberführenden schmalen Pirschpfade daherkommen. Des Kaisers scharfes Jägerauge erkannte in dem einen der beiden hochgewachsenen Herren seinen Oberstallmeister, den Grafen Wedel. Der andere aber war ihm fremd.
Und dieser Unbekannte war es, der jetzt sagte:
„Es ist mir eine Freude, daß wir uns endlich einmal Auge in Auge aussprechen können. Ich habe den tiefen Riß in unserer alten Freundschaft und Kameradschaft sehr beklagt. Aber auf meiner Seite ist die Mißstimmung längst vorüber. Ich hatte damals nicht in preußische Dienste treten wollen, weil ich den Gedanken nicht ertragen konnte, daß unsere alte tapfere hannoversche Armee aufgehört hatte, zu existieren, und ich zürnte dir, mein lieber Ernst, weil du, ein hannoverscher Garde du Corps, vergessen zu haben schienst, was du der Ehre deines engeren Vaterlandes schuldig warst. Aber du hast weiter gesehen als ich. Der hochherzige Entschluß des Kaisers, die Traditionen der Hannoveraner wieder zu beleben, unserem alten Offizierkorps eine Heimstätte in den neuen preußischen Regimentern zu eröffnen und unsere ruhmvollen Devisen auf die Fahnen und Standarten dieser neuen Regimenter zu schreiben, hat alles wieder gut gemacht. Ich hoffe, die Zeit ist nicht mehr fern, wo auch diejenigen Hannoveraner, die jetzt noch grollend beiseite stehen, einsehen werden, daß ein Kriegsherr, der so hochsinnig denkt, der berufene Sammler und Führer aller Kräfte des großen, gemeinsamen Vaterlandes ist.“
„Nun, ich habe dich und deinen Eisenkopf nie verkannt. Du hast dich ja inzwischen tüchtig in der Welt umgesehen, und da du jetzt ein Hamburger Großkaufmann bist, wirst du wohl ein großes Vermögen haben.“
„Mein Leben ist interessant und erfolgreich gewesen, aber mir fehlt doch das beste. Ich sehne mich nach einer Tätigkeit, die meiner Natur entspricht. Ich bin nun einmal Soldat, wie meine Vorfahren es seit Jahrhunderten gewesen sind. Wäre ich 1866 in die preußische Armee eingetreten, so könnte ich heute Kommandierender sein, und vielleicht hätte ich binnen kurzem die Ehre, mein Korps unter den Augen unseres Kaisers ins Feld zu führen.“
„Du glaubst, daß Deutschland in den Krieg verwickelt werden könnte? Gegen wen sollten wir fechten?“
„Wenn unser Kaiser der scharfblickende und energische Geist ist, für den ich ihn halte, — — —“
Es widerstrebte dem Monarchen, die Sprechenden noch länger in Unkenntnis seiner Anwesenheit zu lassen.
„Heda, ihr Herren!“ rief er jovial hinüber. „Verratet eure Geheimnisse nicht, ohne zu wissen, wer sie hört!“
„Seine Majestät!“ sagte der Graf halblaut, indem er mit tiefer Verbeugung seinen Hut zog. Der Begleiter folgte seinem Beispiel, und da ihn der Kaiser fragend ansah, sagte er: