„Nun — wie Sie wollen, — ich darf Ihnen nicht weiter zureden. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß wir einander nochmals begegnen werden, und es ist überflüssig, zu versichern, daß Sie in jeder Lage auf mich zählen dürfen.“


[IX.]

Der deutsche Kaiser weilte, wie alljährlich, im Wildpark von Springe. Aber für das edle Weidwerk, bei dem der Monarch sonst in der nervenstählenden Waldeinsamkeit Erholung und neue Kräfte suchte, blieb diesmal nur selten eine Stunde übrig. Der Telegraph war in ununterbrochener Tätigkeit, und täglich erschienen in dem Jagdschlosse Staatsmänner, Diplomaten und hohe Offiziere, mit denen der Kaiser lange Besprechungen hatte. Die Fenster seines Arbeitszimmers blieben bis tief in die Nacht hinein erleuchtet, und gewöhnlich fand schon der frühe Morgen den Herrscher wieder an seinem Schreibtisch.

Heute aber hatte nach halbdurchwachter Nacht die Sehnsucht nach einem Atemzug frischer Gottesluft den Kaiser beim Morgengrauen hinausgeführt in den schweigenden Tannenwald.

Ein leichter Rauhreif, der über Nacht gefallen war, bedeckte die Zweige und den Boden mit feinen, weißschimmernden Eiskristallen. Zwischen den Stämmen lagen noch die Schatten der Dämmerung. Im Osten aber flammte glühendes Rot über den fahlen, graublauen Himmel hin.

Dorthin richteten sich die Blicke des Kaisers. Unter einer hohen, alten Fichte hemmte der Monarch seinen Schritt, und seine Lippen bewegten sich zu einem leisen Gebet. Von dem Lenker der Geschicke aller Völker erflehte er in dieser ernsten Zeit Rat und Kraft für seinen schweren Entschluß.