„Ich kann Ihnen da nicht folgen, Mrs. Irwin,“ sagte die kleine Dame etwas gereizt. „Wir Menschen sind doch vernunftbegabte Wesen, die nach bewußten Zielen streben!“
„Ist es wirklich so vernünftig, wenn die Bauern und Arbeiter als Soldaten in den Krieg ziehen? Streben sie da wirklich nach einem klar bewußten Ziel? Keiner von ihnen hat etwas zu gewinnen. Man zwingt sie, sich verstümmeln und totschießen zu lassen und ihre Mitmenschen zu töten. Die Ueberlebenden aber haben es nach erfochtenem Siege um nichts besser als vorher. Und die Führer selbst? Ehren und Orden und Dotationen sind doch nur Tand im Sinne des Christentums. Seien wir ehrlich, Mrs. Baird! Hat England etwa des Christentums wegen Indien erobert? Nein! Wir haben Ströme von Blut vergossen, nur um unsern Handel zu erweitern und das Vermögen einiger Weniger, die noch dazu dem Kampfe ferngeblieben sind, ins Ungemessene zu steigern.“
„Es ist traurig, das aus dem Munde einer Engländerin zu hören.“
Die Unterhaltung drohte eine bedenkliche Wendung zu nehmen, da die Gattin des Obersten sich durch Ediths Aeußerungen in ihren Empfindungen ernstlich verletzt fühlte. Aber Heideck wußte sofort dem Gespräch einen weniger verfänglichen Charakter zu geben. Bald darauf erschien der Oberst, der ein Zelt draußen im Lager bewohnte und nur selten Gelegenheit fand, nach seinen Angehörigen zu sehen.
Er bemühte sich, heiter und gelassen zu erscheinen, aber er war doch ein zu schlechter Schauspieler, um seine wahre Stimmung, die nichts weniger als fröhlich war, zu verbergen.
„Ich kann leider nur kurze Zeit bleiben,“ sagte er, nachdem er die kleinen Mädchen, an denen er mit großer Zärtlichkeit hing, noch herzlicher als sonst geliebkost hatte. „Ich bin hauptsächlich deshalb gekommen, um dich, liebe Ellen, über das zu verständigen, was du im Falle eines Rückzuges zu tun hast.“
„Eines Rückzuges? — Um Gottes willen — davon kann doch keine Rede sein!“
Der Oberst lächelte etwas gezwungen.
„Natürlich rechnen wir mit Sicherheit auf den Sieg. Aber das wäre ein schlechter Feldherr, der nicht auch an die Möglichkeit eines Rückzugs dächte. Während der letzten Stunden sind alle Dispositionen geändert worden. Wir brechen auf, um die Russen anzugreifen.“
„So ist es recht!“ rief Mrs. Baird mit leuchtenden Augen. „Eine britische Armee darf den Feind nicht erwarten, sondern sie muß ihm entgegen gehen!“