„Es ist schrecklich, zu denken,“ sagte sie zu Heideck, „daß eine Nation, die sich eine christliche nennt, uns in Indien anzugreifen wagt. Was war dies unglückliche Land, ehe wir uns seiner annahmen! England hat es von der Tyrannei barbarischer Despoten befreit und ihm Wohlstand und Glück gegeben! Die indischen Städte sind aufgeblüht, weil unsere Gesetze die freie Entwicklung von Handel und Verkehr ermöglichten. Es war im höchsten Sinne des Wortes eine Kulturmission, die unsere Nation hier erfüllt hat. Gäbe der Himmel den Russen den Sieg, so würde dieses jetzt so glückliche Land wieder in die finsterste Barbarei zurückgeschleudert werden.“
Sie schien ein Wort der Zustimmung von Mrs. Irwin zu erwarten; diese aber saß ernst und schweigend da.
„Sie sollten nicht so still sein, liebste Edith, und nicht ein so schwermütiges Gesicht machen,“ wandte sich die Gattin des Obersten mit sanftem Vorwurf an sie. „Ich begreife vollkommen, daß die traurigen Ereignisse in Ihrem Privatleben Sie bedrücken. Aber jedes persönliche Leid sollte jetzt in der allgemeinen Sorge aufgehen. Was ist das Schicksal des Einzelnen in dieser Gefahr des Vaterlandes? Ich weiß, daß Sie eine so gute Patriotin sind, wie nur irgend eine Engländerin, aber mir scheint, daß es notwendig ist, das auch in diesen ernsten Stunden zu zeigen. Sorge und Niedergeschlagenheit wirken in solchen Zeiten auf unsere Umgebung wie eine ansteckende Krankheit.“
„Vielleicht bin ich in Wahrheit gar nicht die gute Patriotin, für die Sie mich halten.“
„Ah! — Wie soll ich das verstehen?“
„Ich kann die Kriege nicht von Ihrem Standpunkt ansehen, meine liebe Mrs. Baird! Es will mir vorkommen, als unterschieden wir Menschen uns gar nicht so sehr von den Tieren, die aus Hunger oder aus Eifersucht oder aus allerlei anderen niederen Instinkten miteinander kämpfen!“
„O, welch ein Vergleich!“
„Nun, wir verstehen uns ja allerdings besser auf die Kriegführung; denn wir erfinden komplizierte Instrumente, um unsere Mitmenschen haufenweis zu töten, während die Tiere auf ihre natürlichen Waffen beschränkt bleiben. Aber wissen wir darum besser als die Tiere, was wir tun? Wenn die Heere der Ameisen, der Bienen, der Wiesel oder der Fische im Meer ausziehen, um andere Geschöpfe ihrer Art zu vernichten, werden sie da nicht vielleicht von denselben Instinkten geleitet, die auch uns beherrschen?“