[XIII.]

Der rote Schein zahlloser Feuer beleuchtete Heidecks Weg, als er in das Lager zurückkehrte. Ueberall auf der weiten Ebene zwischen der Stadt und dem Flusse wurde mit fieberhafter Geschäftigkeit gearbeitet. Lange Züge von Lasttieren waren in Bewegung, Lebensmittel und Munition wurden verteilt. Viele tausend Hände arbeiteten daran, den Uebergang der Armee über den flachen Nebenfluß des Ravi zu erleichtern. Man suchte den sumpfigen Stellen durch Bedeckung mit Palmenzweigen und Blättern größere Festigkeit zu geben, und für die Artillerie wurden in aller Eile Knütteldämme hergestellt. Heideck legte sich unwillkürlich die Frage vor, warum die Armee nicht gleich an der Stelle versammelt worden war, an der die Schlacht stattfinden sollte. Der Aufmarsch durch die schwierigen Gelände in Verbindung mit der beabsichtigten Linksschwenkung stellte an die Leistungsfähigkeit der Truppen Anforderungen, die ohne Zweifel die nachteiligsten Folgen für das Gefecht selbst haben mußten!

Vor seinem Zelte traf Heideck auf seinen indischen Boy, der sich ersichtlich in großer Aufregung befand.

„Wenn wir morgen früh aufbrechen, lassen wir das Zelt mit allem, was darin ist, stehen,“ sagte Heideck. „Du wirst meinen Hengst reiten, während ich dein Pferd nehme.“

Morar Gopal war ein Hindu aus dem Süden, fast so schwarz wie ein Neger, ein winziges, behendes Männchen, das kaum fünfzig Kilo wog. Deshalb wollte Heideck ihn auch zunächst sein Pferd reiten lassen, um dessen Kräfte für die späteren Anstrengungen des Tages möglichst zu schonen.

Jetzt erst gewahrte er, daß der Diener sich gegen seine Gewohnheit bewaffnet hatte. Er war mit einem Säbel umgürtet, und als er ihn nach dem Grunde fragte, erwiderte der Inder mit einem gewissen Pathos:

„Alle Hindus werden morgen sterben, aber ich will mich wenigstens tapfer verteidigen.“

„Und wie kommst du auf die Vermutung, daß alle Hindus morgen sterben müssen?“

„O, Sahib, wir wissen es wohl. Die Mohammedaner hassen die Hindus, und sie werden uns morgen alle töten.“