„Das ist ja Unsinn! Mohammedaner und Hindus werden morgen vereint gegen die Russen kämpfen.“
Aber der Inder schüttelte den Kopf.
„Nein, Sahib, die Russen sind auch Mohammedaner.“
„Der dir das sagte, hat dich belogen. Die Russen sind Christen, wie die Engländer.“
So großes Vertrauen Morar Gopal sonst auch zu seinem Herrn haben mochte, diesmal schenkte er seinen Versicherungen offenbar keinen rechten Glauben.
„Wenn sie Christen wären, warum sollten sie dann Krieg gegen andere Christen führen?“
Heideck sah ein, daß es unmöglich sein würde, den dunkelhäutigen Burschen über die ihm unverständlichen Dinge aufzuklären. Und da nur noch wenige Stunden für die Nachtruhe blieben, schickte er ihn auf seine Lagerstätte.
Der erste Sonnenstrahl zuckte noch kaum über die weite Ebene hin, als der Vormarsch begann. Heideck war bereits vor Tagesanbruch im Sattel gewesen, und er fand noch vor dem Aufbruch die Zeit, einige Worte mit dem Obersten Baird zu wechseln.
Dieser war heute auf einen sehr wichtigen und verantwortungsvollen Führerposten gestellt. Er kommandierte eine Brigade, die aus zwei englischen und einem Sepoy-Regiment, den Lancers und einer Batterie bestand. Dazu befehligte er das vom Maharadjah von Chanidigot gestellte und von dem Prinzen Tasatat geführte Hilfskorps, das aus tausend Mann Fußvolk, fünfhundert Reitern und einer Batterie bestand. Der Prinz selbst war auf das prächtigste gekleidet und bewaffnet; Griff und Scheide seines Säbels funkelten von Edelsteinen, und an seinem Turban blitzte eine Agraffe aus kostbaren Diamanten. Er ritt einen prächtigen Fuchs, dessen Zäumung allein ein kleines Vermögen darstellte. — Auch seine Truppen waren schön gekleidet und trugen ein sehr zuversichtliches Wesen zur Schau. Die Reiter waren ähnlich den englischen Lancers mit langen Lanzen ausgerüstet und trugen rote, blaugestreifte Turbane. Viele von ihnen waren aber trotz ihrer schweren Stiefel genötigt gewesen, in die Reihen der Infanterie einzutreten, da sowohl bei den mohammedanischen Truppen, wie bei der englischen Kavallerie infolge schlechter Verpflegung und übergroßer Anstrengung zahlreiche Pferde eingegangen waren.