„Nein, wenigstens ist bis zur Stunde noch keine Nachricht über eine Seeschlacht hierher gelangt. Man befindet sich offenbar noch im Stadium der Rüstungen, und über die Bewegungen der deutschen und französischen Flotten verlautet nichts. Uebrigens sind meine neuesten Nachrichten auch schon ziemlich alt. Wir erfahren bei der Armee nur, was die Kosaken überbringen.“
Heideck griff sich an die Stirn.
„Ich bin wie betäubt. — Das alles mit einem Mal zu fassen und zu verarbeiten geht fast über die Fähigkeiten eines gewöhnlichen Menschenhirnes hinaus. — Aber verzeihen Sie, mein Fürst, wenn ich Ihnen, der Sie heute schon so viel für mich getan, noch mit einem weiteren Anliegen komme. Ich befinde mich in großer Sorge um eine Dame, die Witwe eines gestern gefallenen englischen Offiziers, die sich meinem Schutze anvertraut hat. Ich verließ sie heute früh, als man mich verhaftete, um mich vor das Kriegsgericht zu stellen, an dem Grabdenkmal der Anar Kali, wo sie mit anderen Gefangenen untergebracht war. Raten Sie mir, was ich tun soll, um der Dame, deren Wohl mir sehr am Herzen liegt, eine beruhigende Nachricht über mein Schicksal zukommen zu lassen und um zugleich sie selbst vor Belästigungen und Ungemach zu schützen.“
„Das ist sehr einfach. Haben Sie ein Bedenken, mir den Namen der Dame zu nennen?“
„Durchaus nicht. Es ist Mrs. Edith Irwin, die Witwe des Kapitän Irwin, der auch Ihnen in Chanidigot vielleicht begegnet ist.“
„Ich glaube mich zu erinnern. Es wurde da von einer Spielaffäre erzählt, in der er eine nicht gerade rühmliche Rolle gespielt haben soll — nicht wahr? Nun wohl, während Sie hier in meinem Zelte tüchtig ausschlafen, werde ich nach Anar Kali hinüberreiten, um die Dame aufzusuchen und mich über ihre Lage zu unterrichten. Seien Sie versichert, daß ihr nichts Unangenehmes widerfahren wird, sofern es mir nur gelingt, sie zu finden.“
„Sie beschämen mich wirklich, mein Fürst — ich — —“
„Sie würden genau dasselbe tun, wenn das Schicksal uns zufällig mit vertauschten Rollen agieren ließe. Weshalb also viele Worte darüber machen! Ich kann Ihnen leider keine bequemere Lagerstätte anbieten als mein Feldbett da. Aber Sie sind ja Soldat und ich denke, wir beide haben schon schlechter gelegen. Also angenehme Ruhe, mein Freund! Ich werde Sorge tragen, daß Sie während der nächsten zwei Stunden von niemand gestört werden.“