„Hier muß ein Irrtum vorliegen. Diesem Herrn darf kein Leid zugefügt werden, denn er ist nicht nur mein persönlicher Freund, sondern auch ein Kamerad, ein Offizier der mit uns verbündeten deutschen Armee.“

Der Leutnant zuckte die Achseln:

„Ich habe zu tun, was mir befohlen wird, Herr Oberst! Für etwaige Irrtümer meiner Vorgesetzten oder des Kriegsgerichts trage ich keine Verantwortung.“

„Dafür aber, daß ich Sie an der Ausführung des Ihnen erteilten Befehls verhindere, nehme ich die Verantwortung auf mich, Herr Leutnant! Dieser Herr wird mich begleiten, und ich bürge für ihn.“

Er übergab einem Soldaten sein Pferd, schob seinen Arm in den Heidecks und führte ihn hinweg bis zu dem von ihm bewohnten Zelte in der Barackenstadt, fortwährend in den lebhaftesten Worten seiner Freude über das Wiedersehen Ausdruck gebend. Das Frühstück, von dem die Botschaft Georgijs ihn aufgescheucht hatte, stand noch auf dem Tische, und Heideck ließ sich nicht lange zum Zugreifen nötigen; denn er merkte eigentlich erst jetzt, wie lange er gefastet hatte und wie dringend er einer leiblichen Erquickung bedurfte. Von seinen Dankesäußerungen wollte Fürst Tschadschawadse nichts wissen; aber als Heideck ihn fragte, ob er vorhin denn wirklich recht gehört habe, als der Fürst von einem Bündnis zwischen der russischen und der deutschen Armee gesprochen, gab er bereitwillig Auskunft.

„Ja — es ist so! Das Deutsche Reich geht mit uns. Die erste Freudenbotschaft, die mich empfing, als ich die Armee erreichte, war die Kunde, daß Kaiser Wilhelm II. England den Krieg erklärt habe. Die Welt steht in Flammen. Nur Oesterreich und Italien halten sich neutral.“

„Und davon hatte ich keine Ahnung! Doch das erklärt sich freilich leicht genug. Alle Telegraphenkabel befinden sich in englischen Händen, und man hatte es leicht, jede mißliebige Depesche zurückzuhalten. Die in Indien erscheinenden Zeitungen aber durften natürlich nur veröffentlichen, was der Regierung angenehm war. Aber ich brenne darauf, mehr zu erfahren. Wissen Sie vielleicht auch, wie sich die Dinge bisher entwickelt haben und auf welche Art Deutschland den Krieg zu führen gedenkt?“

„Es scheint, daß man einen Einfall in England beabsichtigt. Deutschland hat die Hälfte seiner Armee mobil gemacht und die Niederlande besetzt. Die französischen Truppen dagegen sind in Belgien eingerückt, so daß den beiden Mächten die ganze Küste England gegenüber zur Verfügung steht.“

„Und ist zur See schon etwas geschehen?“