Der Soldat nickte, zum Zeichen, daß er gehorchen werde, und nun ließ Pieter Maritz ihn aufstehen. Ächzend stand der Engländer, ein noch junger Soldat, da und starrte verblüfft auf die Erscheinung der Buern.

»Damit er nicht wegläuft, wollen wir eine kleine Vorkehrung treffen,« sagte Pieter Maritz. Er schnallte den Gurt des Soldaten mit der Patrontasche ab und übergab ihn nebst dem Gewehr seinem Gefährten. Dann zog er sein Messer und schnitt dem Gefangenen die Hosenträger und den Hosenbund durch, so daß er mit beiden Händen die Hose halten mußte, damit sie ihm nicht auf die Füße hinabfiel. »Nun vorwärts!« sagte Pieter Maritz, und die beiden Buern ließen ihren Gefangenen vor sich hergehen und kehrten zurück. Unweit des Hauses blieb jedoch Pieter Maritz stehen.

»Höre,« sagte er zu seinem Gefährten »du kannst den Burschen allein fortbringen. Er weiß ja, daß du ihn tötest, wenn er widerspenstig wird. Bring' ihn dorthin, wo die andern sind, und laß ihn bei den Pferden. Zwei von euch sollen bei den Pferden bleiben, die andern kommen zu Fuß hierher. Ihr werdet mich hier finden, ich will mir das Haus einmal näher ansehen.«

»Es ist gut,« sagte der junge Buer und ging mit seinem Gefangenen weiter. Pieter Maritz aber schlich sich bis dicht an das Haus hinan und blickte durch die Fenster, welche der Sitte der meisten Buernhäuser nach keine Fensterscheiben hatten, sondern nur viereckige Öffnungen waren. Er sah, daß zwei Zimmer im Erdgeschoß von Militärs in roten Röcken besetzt waren. In dem größeren lagen elf Mann und ein Unteroffizier, und diese waren alle teils am Boden auf Strohlagern, teils auf den Bänken an der Wand ausgestreckt und schliefen. In dem kleineren Raume daneben saßen zwei Offiziere bei einer Lampe am Tische, spielten Karten und tranken Punsch. Vermutlich war der eine der Kommandant des Piketts, während der andere ihn besucht hatte, um ihm Gesellschaft zu leisten. Beide waren noch junge Leute, Unterleutnants.

Pieter Maritz hielt sich im Schatten verborgen und beobachtete sie. Er stand dort ganz sicher, da er von den hellen Zimmern aus nicht gesehen werden konnte, und er überlegte, wie er es möglich machen könne, das ganze Pikett aufzuheben.

»Ich habe heute Unglück,« sagte jetzt einer der Leutnants, indem er das Schweigen brach und die Karten hinwarf. »Ich habe mir's gleich gedacht, ich habe meine Zeichen.«

»Sind Sie abergläubisch?« fragte der andere.

»Sonst nicht,« entgegnete der erste, »aber in einer Sache bin ich's. Bei mir zu Hause sagt man, daß ein weißer Flecken auf dem Nagel vorbedeutet, und ich habe gefunden, daß es richtig ist.«

»Davon habe ich nie gehört.«

»Sehen Sie, Jack,« sagte der erste wieder, indem er seine Hand zeigte, »ein Fleck auf dem Daumen bedeutet Ehre, auf dem Zeigefinger Glück, auf dem Mittelfinger Unglück, auf dem vierten Finger Liebe, auf dem kleinen Finger Freundschaft. Nun ist mir heute ein großer Fleck auf dem Nagel des Mittelfingers aufgesprungen. Ich sah es, als ich heute morgen aufstand.«